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DJV Blog

13. Januar 2017
Digitaler Journalismus

Charme-Offensive von Facebook

Facebook hat diese Woche weitere Details über sein seit längerem angekündigtes Journalismus-Projekt bekannt gegeben.

Es geht erstens darum, Journalisten über die Nutzung von Facebook im Rahmen ihrer Arbeit zu schulen. Zweitens sollen Geschäftsmodelle entwickelt werden, mit denen Medienhäuser unabhängigen Journalismus betreiben und ihre Abonnentenzahlen erhöhen können. Viertens will Facebook effizienter gegen Fake News und andere Desinformationsstrategien vorgehen, was vor allem den Lehren aus der US-Wahl und dem daraus resultierendem politischen Druck geschuldet ist. Und drittens will Facebook sein Hackathon-Projekt global ausweiten. Hier sollen die Facebook-Entwickler und die der Medienkonzerne enger zusammenarbeiten, um gemeinsam Lösungen zu finden. Die Ähnlichkeit mit Googles Digital News Initiative (DNI) ist unübersehbar.
Der Unterschied liegt vor allem darin, dass Facebook kein Förderprogramm für Verlage und Medien-Start-ups bietet. Googles Journalismus-Projekte polarisieren unter Medienschaffenden durchaus. So schwärmen einerseits große Häuser wie der SPIEGEL davon, wie sie von neuen, gemeinsam entwickelten Technologien wie etwa Accelerated Mobile Pages (AMP) profitieren. Und das Bündnis der Kooperationspartner, mit denen die DNI kooperiert, ist seit der Gründung im Jahr 2015 in großem Umfang gewachsen. Auf der anderen Seite gibt es kritische Stimmen, die vor einer Einflussnahme des Digitalkonzerns warnen. Das wird bei Facebook nicht anderes sein und es ist gut, wenn Journalisten die Initiative kritisch begleiten und sich differenziert mit den einzelnen Maßnahmen und ihren Auswirkungen auseinandersetzen. Genauso wichtig ist es aber, dass die Medienhäuser den Journalismus der digitalen Zukunft progressiv mitgestalten. Nicht zuletzt geht es dabei um ihre eigenen Geschäftsmodelle und damit um existenzielle Fragen der Branche. Eine intensivere Zusammenarbeit mit Playern wie Google, Facebook & Co. ist auf diesem Weg ein richtiger Schritt - wenn sie auf Augenhöhe stattfindet. Diese Chance sollte von allen Beteiligten genutzt werden.  

Ein Kommentar von Anna-Maria Wagner


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