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13. Juni 2017
Umstrittene Antisemitismus-Doku

Die BILD will einordnen

Nach wochenlanger Diskussion um eine umstrittene Antisemitismus-Doku von Arte und dem WDR ist der Film nun doch online zu sehen. Bei der "Bild".

Das Thema ist heikel, aber das kam seitens der als Auftraggeber verantwortlichen Sender nur andeutungsweise zur Sprache. Vielmehr wurden formal-handwerkliche Gründe angeführt, die Produktion "Auserwählt und Ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa" zurückzuhalten. Auch sei die Darstellung des Themas Antisemitismus unausgewogen. An der Nichtausstrahlung von Arte und WDR gab es viel Kritik. So hatte unter anderen der Zentralrat der Juden gefordert, die Produktion zu zeigen, aber auch Stimmen im "Tagesspiegel" und der "taz". Nun veröffentlichte das Portal Bild.de überraschend den Film.

 

Julian Reichelt, Vorsitzender der Bild-Chefredaktionen, möchte mit der Ausstrahlung auf Bild ONLINE bewirken, dass sich die Menschen selbst "ein Urteil bilden können". Auf der Seite erfährt der Nutzer, dass der Film äußerst umstritten sei und deshalb journalistisch eingeordnet werde. Auch die Bedenken des WDR und des Arte-Programmdirektor Alain Le Diberders werden genannt, zusätzlich kommen prominente Experten wie etwa der Historiker Michael Wolffsohn oder der Islamismus-Experte Ahmad Mansour zu Wort.

Die "Bild" scheut mit der 24-stündigen Zurverfügungstellung des Videos offenbar auch keine rechtlichen Konsequenzen, schließlich liegen die Erstausstrahlungsrechte bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Auf die Paywall wird verzichtet. Der Zuspruch für die Aktion ist groß.

Warum genau konnten die öffentlich-rechtlichen Sender diese kritische Einordnung eigentlich nicht selbst vornehmen und die Doku zeigen? Spätestens, als der Streit über die Ausstrahlung eskalierte und das dadurch befeuerte überragende öffentliche Interesse an dem Film gegeben war, hätten sie das tun sollen. Nun müssen Arte und WDR  mit den nachhallenden Vorwürfen von Zensur und Bevormundung leben, während andere im Netz für ihren mutigen Journalismus gefeiert werden. 

Ein Kommentar von Anna-Maria Wagner


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