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DJV Blog

29. Januar 2020
Good Bye, Britian

Dieser Abschied schmerzt

Die Dauerberichterstattung über das Brexit-Gezerre war für Journalistinnen und Journalisten auch anstrengend. Nun, da das Drama endet, hat die Presse dennoch keinen Grund zum Jubeln.

Ob BBC oder "Guardian": Die von vielen Journalistinnen und Journalisten in Deutschland geschätzten britischen Medien bleiben weiterhin verfügbar. Man kann sich weiter von britischen Qualitätsmedien informieren lassen und sich an ihren hohen Standards und ihrer Innovationsfreude orientieren. Insofern sind die Auswirkungen davon, dass diese Medien ab Freitag zu einem Drittland gehören, so schnell nicht zu spüren. Das darf aber nicht über die potenzielle Tragweite des Brexit hinwegtäuschen.

 

Die Europäische Union rühmt sich, Hort von Demokratie und Menschenrechten zu sein. Sie hält die Pressefreiheit hoch. Doch zwischen Anspruch und Realität klafft eine größer werdende Lücke. In vielen Mitgliedsländern ist die freie Presse unter Druck. Das ist der Fall in Polen und schlimmer noch in Ungarn. In der Slowakei und Malta sind mit Jan Kuciak und Daphne Galizia investigativ arbeitende Journalisten ermordet worden. In Griechenland und Spanien hat die langjährige Wirtschaftskrise auch in der Medienlandschaft schwere Verwüstungen angerichtet.

 

Mit Großbritannien verliert die Europäische Union ein weltpolitisches Schwergewicht, das wie nur wenige andere Länder für gesellschaftlichen Liberalismus, Demokratie und Pressefreiheit steht. In Zeiten, in denen eine umfassende, kritische und pluralistische Berichterstattung gesellschaftlich und wirtschaftlich in Frage gestellt wird wie lange nicht, ist das Ausscheiden Großbritanniens aus der europäischen Staatengemeinschaft daher ein schwerer Verlust mit großem Schadenspotenzial für die Zukunft.

 

Ein Kommentar von Sebastian Huld.


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