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23. Dezember 2019
Breitscheidplatz-Räumung

Ein Fehlalarm als Mahnung

Nach der Räumung des Berliner Weihnachtsmarkt verbreiteten viele Medien die Falschmeldung, es seien Gefährder festgenommen worden. Daraus können wir lernen.

Szene am Abend des Anschlags vom 19.12.2016. Foto: Sebastian Huld.

Zuerst die gute Nachricht: Es bestand am Abend des 21. Dezember wohl keine akute Gefahr für Besucher des Weihnachtsmarkts am Berliner Breitscheidplatz. Die Polizei hat mutmaßlich zurecht aus Vorsicht räumen lassen. Was zwei Männer aus der Salafistenszene bewegt, dieser Tage den Ort des Terroranschlags vom 19.12.2016 zu besuchen, wird offenbar noch ermittelt. Böse Absichten sind nicht auszuschließen. Dennoch war die zwischenzeitlich verbreitete Meldung, es handele sich um polizeibekannte islamistische Gefährder wohl falsch.

 

Richtig war dennoch, diese Information mit der Öffentlichkeit zu teilen. Allerdings sollte dieser glimpflich verlaufene Vorfall uns Journalistinnen und Journalisten eine Mahnung sein: Wir kommen in diesem Zeitalter nicht gänzlich darum herum, in Notlagen auch von den Behörden unbestätigte, ans Spekulative grenzende Informationen in die Berichterstattung aufzunehmen. Unsere Glaubwürdigkeit hängt auch an einer gewissen Geschwindigkeit des Informationsflusses - sonst driften noch mehr Menschen vollständig in die Sozialen Medien ab. Allerdings müssen wir für Transparenz sorgen: dünne Informationen als solche deutlich kenntlich machen und so jedweder Panikmache und Instrumentalisierung Einhalt gebieten.

 

Ein Kommentar von Sebastian Huld.


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