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12. April 2019
Katarina Barley

Ein Interview zuviel

Katarina Barley hat RT Deutsch ein Interview gegeben. Wie es heißt, nicht als Bundesjustizministerin, sondern als SPD-Europakandidatin. Das macht es nicht besser.

Katarina Barley: Aufwallung verursacht. Foto: Steffen Kugler/Bundesregierung

Siebeneinhalb Minuten stand Katarina Barley vor der Kamera. In dem Frage- und Antwortspiel ging es um Europa, um die Wohnungsnot und die Enteignungsdiskussion in Deutschland, um das Gasleitungsprojekt Nordstream 2 und das Verhältnis zu Russland. Spektakulär waren Barleys Antworten nicht, sondern ruhig vorgetragen und sachlich im Inhalt. Und trotzdem machte BILD Online eine Riesengeschichte daraus mit kernigen Politikerstatements. Was war geschehen?

Das Fernsehinterview wird auf der Homepage von RT Deutsch ausgestrahlt. Überschrift: "Ministerin Barley im RT-Gespräch: Wir pflegen ein enges Verhältnis zu Russland." Nicht die Inhalte bringen die Kritiker in Rage, sondern der Umstand, dass Barley ausgerechnet dem Propagandakanal des Kreml Rede und Antwort stand. Auf Nachfrage des DJV erklärte das Bundesjustizministerium, dass das Interview nicht mit der Ministerin geführt worden sei. Also Fehler in der Überschrift von RT! Philipp Geiger, stellvertretender Pressesprecher der SPD, rückt das gerade: "Das Interview mit der Spitzenkandidatin der SPD für die Europawahl kam am Rande eines Treffens mit dem Verein der Auslandspresse zustande. Es war ein Sammel-O-Ton und kein exklusives Interview für RT Deutsch."

 

Das macht es nicht besser. Es war ein Interview zuviel.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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