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16. Juli 2015
Stuttgart

Fusion kostet 35 Jobs

Die Proteste gegen die Fusion der Redaktionen von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten waren erfolglos: Die Zusammenlegung kostet 35 Arbeitsplätze.

"Freiwillige gesucht." So lautet das Motto, unter dem die Südwestdeutsche Medienholding nach Beschäftigten sucht, die die Arbeitslosigkeit ihrem Redaktionsarbeitsplatz vorziehen. Wer ist so verrückt? Offenbar nur wenige, denn bisher halten sich die Kollegen auffallend zurück mit der Unterschrift unter einen Aufhebungsvertrag. Daran ändert auch das Abfindungsangebot nichts, das der Verlag in Verhandlungen mit den Betriebsräten festgelegt hat. Je nach Alter und Dauer der Betriebszugehörigkeit kommt ein mittlerer fünfstelliger Betrag zuammen. Wieviel davon für den dann arbeitslosen Redakteur noch übrig bleibt, entscheidet das Finanzamt. Klar ist nur: 35 "Freiwillige" müssen sich bis Ende August melden.

 

Wenn das nicht gelingt, wird die Zusammenlegung der beiden Redaktionen wahrscheinlich noch schmerzhafter, als sie eh schon ist. Dann dürfte nämlich der Verlag Kündigungen aussprechen. Die hartleibigen Reaktionen der Geschäftsleitung auf die Proteste der Beschäftigten Mitte Juni haben gezeigt, dass die SWMH über die Fusion nicht mehr mit sich reden lässt. Ob die Leser den Zusammenschluss gut oder schlecht finden, ob die journalistische Qualität der beiden Titel leidet, ob die Medienvielfalt in Stuttgart in Gefahr ist - das alles ist der SWMH herzlich egal. Das einzige, was zählt, sind die Zahlen. So ist das, wenn in Verlagen nicht mehr Verleger, sondern Controller das Sagen haben.

 

Hendrik Zörner


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