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DJV Blog

22. Juli 2013
Tarifrunde Zeitungen

Gespenstische Debatte

Knapp vier Stunden dauerten am letzten Freitag die Tarifverhandlungen mit den Zeitungsverlegern. Abzüglich der Pause waren es drei Stunden. Davon ging eine halbe Stunde für eine Diskussion ab, deren Charakterisierung bei den DJV- und dju-Kollegen zwischen "lächerlich", "grotesk" und "gespenstisch" variierte. Darin ging es nicht um Tarifforderungen oder um die wirtschaftliche Situation der Branche, sondern um - man lese und staune - Twitter.

 

Georg Wallraf, der für den BDZV zum ersten Mal die Verhandlungen führt, wollte von den Gewerkschaften verlangen, während der Tarifverhandlungen auf Twitter-Meldungen zu verzichten. Sein Argument: Die Verhandlungen seien vertraulich, Informationen demzufolge schädlich für den Verhandlungsverlauf. Bei DJV und dju stieß er damit auf einhellige Ablehnung. Schließlich warteten die Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen auf Informationen über die Verhandlungen. Wallraf ließ nicht locker: Das seien einseitig gefärbte Statements. Die Leser müssten aber doch auch die Position der Verleger erfahren. Richtig, so der Konter, bei den Gewerkschaften habe niemand etwas dagegen, wenn auch der BDZV Twitter nutze. Als dann auch noch DJV-Tarifexpertin Gerda Theile, die seit Jahrzehnten an Tarifverhandlungen teilnimmt, darauf hinwies, dass sie früher in Verhandlungspausen bei den Nachrichtenagenturen angerufen und ihnen Zwischenstände gegeben habe, gingen dem BDZV-Verhandlungsführer die Argumente aus. Dann müssten sich die Verleger genau überlegen, was sie überhaupt noch sagen könnten.

 

Es gab mal Zeiten, in denen sich Verleger als Publizisten verstanden - und nicht als Öffentlichkeitsverhinderer.

 

Hendrik Zörner


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