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30. Juni 2017
Verleger als Minister

Interessenkonflikte

Gleich zwei Verbandsfunktionäre aus dem Verlegerlager werden Landesminister in Nordrhein-Westfalen. Der Medienvielfalt dürfte das wenig nützen.

So richtig glücklich waren sie in ihren Verbandsämtern offenbar nicht: Stephan Holthoff-Pförtner, als Kohl-Anwalt bekannt geworden, Miteigentümer der WAZ-Mediengruppe, wurde von Hubert Burda auf den Präsidentensessel des VDZ gehievt. Unmittelbar nach Burdas Abgang stand der neue Präsident im Kreuzfeuer der Kritik. Vier Großverlage zogen sich teilweise aus dem Verband zurück.

 

Hendrik Wüst, ehemals Generalsekretär der CDU Nordrhein-Westfalen, wurde nach dem Sieg der Sozialdemokraten an Rhein und Ruhr Geschäftsführer der NRW-Zeitungsverleger. In dieser Funktion saß er mit am Verhandlungstisch mit DJV und dju, wenn neue Tarifverträge auf dem Programm standen. Wüst fiel durch keinen einzigen Redebeitrag auf. Hinter vorgehaltener Hand wunderte man sich beim BDZV über den neuen Geschäftsführer.

 

Wüst und Holthoff-Pförtner können jetzt ihre politischen Talente wieder voll zum Einsatz bringen. Ersterer wird Verkehrsminister in NRW, der bisherige Verlegerpräsident ist als Minister künftig für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie für Medien zuständig. Ein Verleger, der sich mit Engagement für die Medienvielfalt in Nordrhein-Westfalen einsetzen soll? Der Miteigentümer der WAZ, die in ihrem Verbreitungsgebiet Monopolist ist, kämpft also künftig für den Erhalt von Zeitungstiteln und redaktionellen Arbeitsplätzen? Eine lustige Vorstellung.

 

Wahrscheinlicher ist, dass bei den beiden Personalien die persönlichen Netzwerke den Ausschlag gaben und über mögliche Interessenkonflikte niemand in der CDU-Chefetage von NRW nachgedacht hat. Keine guten Startvoraussetzungen.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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