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17. Dezember 2019
ROG-Bilanz

Keine Komplizenschaft mit den Feinden der Presse!

Die Zahlen von Reporter ohne Grenzen sind erschreckend: Fast 400 Medienschaffende sitzen weltweit im Gefängnis. Noch erschreckender: Die größten Kerkermeister sind EU-Partner.

 

Um mehr als zehn Prozent ist die Zahl der weltweit inhaftierten Menschen binnen eines Jahres gestiegen, die am Stichtag 1. Dezember wegen ihrer publizistischen Tätigkeit ihrer Freiheit beraubt waren. Journalistinnen und Journalisten, Verlegerinnen und Verleger, Bloggerinnen und Blogger werden weiter gefürchtet von den Korrupten und Machtbesessenen dieser Welt. Dass das wahre Wort - ob gesprochen oder geschrieben - noch immer ein scharfes Schwert im Kampf für eine bessere Welt ist, ist die gute Nachricht, die sich hinter diesen Zahlen versteckt.

 

Offenkundig dagegen ist, wer sich unter den Feinden der Pressefreiheit besonders hervortut. Von den 389 Inhaftierten entfällt ein Drittel auf China (120). Dahinter folgen Ägypten (34), Saudi-Arabien (32), Syrien (26 bei hoher Dunkelziffer), Türkei (25) und Vietnam (25). Mit Ausnahme Syriens, das vom heimlichen Verbündeten der westlichen Staatenwelt zum Paria abgestiegen ist, braucht keines dieser Länder die ROG-Liste zu fürchten: Der Westen, namentlich die EU und USA, gewichten ihre strategischen Interessen zuverlässig höher als ihre moralischen Prinzipien.

 

Die Unterstützung der EU für das al-Sisi-Regime in Ägypten muss dabei als besonders schändlich verurteilt werden. Das Land tut sich bei der Unterdrückung jedweder Opposition als besonders ruchlos hervor. Welche Werte ein Militärbündnis tragen, das den Medienfeind Erdogan in seiner Mitte duldet, fragen sich inzwischen sogar einige Nato-Mitglieder. Besonders tragisch aber ist wohl der Umgang mit China. Noch immer scheint der Westen nicht zu begreifen, dass der Aufstieg des Landes zur wirtschaftlichen und politischen Supermacht bedeutet, dass dieses Land künftig auch das Verhältnis von Staat und Bürgern ein gutes Stück mit definieren wird - und zwar weltweit.

 

Ein Kommentar von Sebastian Huld.


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