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22. Januar 2019
Handball

Kommentatoren ohne Distanz

Was war das wieder für ein packendes Handballspiel am gestrigen Abend. Die Begegnung machte Spaß, die Kommentatoren aber bereiteten eher Bauchschmerzen.

Denn so emotional Christoph Hamm und sein Co-Kommentator Markus Baur auch das Spiel begleiteten: Sie ließen sich derart mitreißen, dass eine kritische Distanz zum Auftritt der Nationalmannschaft nur noch journalistisches Wunschdenken ist. Mit dem Wort "wir", wenn von den Nationalspielern die Rede war, verorteten sich die Kommentatoren irgendwo zwischen Fans und Teammitgliedern.

 

Hamm und Baur geben wie ARD und ZDF insgesamt vor, die Handball-WM zu übertragen und das Geschehen mit Expertise aufzubereiten. Tatsächlich aber sind sie nur die ersten Promoter des Produkts Handball-WM, weil der Erwerb der Übertragungslizenzen nur durch hohen Zuschauerzuspruch zu rechtfertigen ist. Vor diesem Konflikt stehen alle Sender beim Übertragen von Sportevents, ganz besonders aber die Öffentlich-Rechtlichen.

 

Die Folgen sind exemplarisch zu sehen an dem stupiden Betonen, wie doll doch die Stimmung in der Halle ist. Dass diese durch bereitgelegte Klatschpappen, dröhnenden Bierzelt-Pop und einem ständig der Menge  einheizenden Hallensprecher sorgfältig orchestriert wird, bleibt unerwähnt. Sportveranstaltungen sind im Fernsehen Shows wie Quizzsendungen und Hitparaden.

 

Wenn sich Moderatoren und Kommentatoren aber eher an Florian Silbereisen als an Hajo Seppelt orientieren, leidet am Ende der Sport. Fragwürdiges gibt es schließlich auch aus der Welt der Handballverbände genug zu berichten.

 

Ein Kommentar von Sebastian Huld.

 

 


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