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17. März 2016
Türkei

Korrespondenten reisen aus

Die pressefeindliche Politik der türkischen Regierung zeigt Folgen: Mehrere ausländische Korrespondenten haben inzwischen das Land verlassen.

Angela Merkel soll sich persönlich dafür eingesetzt haben, dass "Spiegel"-Korrespondent Hasnain Kazim einen türkischen Presseausweis bekommt. Das Dokument ist unbedingt erforderlich, damit ausländische Journalisten in der Türkei arbeiten können. Es wird immer nur für ein Jahr ausgestellt. Erfolgreich war die Bundeskanzlerin jedenfalls nicht: Kazim wartete vergeblich auf das Papier und zog jetzt die Konsequenz, das Land zu verlassen. Zu groß war ihm die Gefahr, dass er verhaftet würde.

 

Wie die dpa berichtet, ist Kazim nur einer von vielen ausländischen Korrespondenten am Bosporus, die dem Land inzwischen den Rücken gekehrt haben. Sein Kollege von der FAZ Michael Martens zog weg, eine Journalistin der norwegischen Zeitung Aftenposten ebenfalls. Und spätestens mit der Ankündigung des autokratischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, den Terrorismusbegriff weiter fassen zu wollen, dürften noch mehr Journalisten über einen Ortswechsel ernsthaft nachdenken.

 

Ach ja: Die Türkei führt mit der Europäischen Union Gespräche über einen Beitritt des Landes zur EU. Und die deutsche Bundeskanzlerin verhandelt über die Flüchtlingskrise intensiv mit der türkischen Regierung. Dass das mit dem Presseausweis nicht geklappt hat, wird sie nicht um den Schlaf bringen.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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