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12. Januar 2015
Soli-Aktion der Verleger

Missglückte Kampagne

Der Präsident des Verlegerverbands wollte nach dem Charlie-Hebdo-Attentat ein Zeichen setzen. Der Schuss ging nach hinten los.

Karikatur von Klaus Stuttmann, Quelle: BDZV

Für die Samstagsausgaben der deutschen Zeitungen waren ein Gastkommentar von BDZV-Präsident Helmut Heinen und eine Karikatur von Klaus Stuttmann vorgesehen - als "Angebot" des Verlegerverbands zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Blutbad bei der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Sowohl die Karikatur als auch der Gastkommentar vermengten den Anschlag der Islamisten und die "Lügenpresse"-Rufe von Pegida miteinander. In der Karikatur sagt der eine Attentäter zum anderen über die Pegida-Demonstranten: "Die reden nur. Wir tun was." Und in seinem Kommentar reihte Heinen die aktuellen Gefahren der Pressefreiheit aneinander: "Lügenpresse"-Rufe, Nazi-Schmierereien an Verlagshäusern und der Anschlag auf Charlie Hebdo.

 

Wenn Heinen die Pegida-Aktivisten für geistige Brandstifter hält, soll er das sagen - aber unabhängig von dem Pariser Massaker. Denn das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, noch nicht mal entfernt. Die Pegida-Demonstranten müssen sich heute Abend nicht verbiegen, wenn sie das Attentat mit Krokodilstränen bedauern. Sie sind mehr gegen Islamisten, den Islam und die Moslems als gegen die Medien eingestellt. So perfide das ist: Der Angriff auf Charlie Hebdo ist Wasser auf die Mühlen von Pegida. Das hätte Helmut Heinen wissen müssen. Durch seine Vermengung der Ereignisse spielt er den "Lügenpresse"-Schreihälsen den Ball zu.

 

Genützt hätte er den Zeitungen und den Journalisten mit einem Zeichen ehrlicher Anteilnahme, mit einem Kommentar, der den inzwischen globalen Slogan "Je suis Charlie" mit Leben gefüllt hätte. Und der die Kollegen darin bestärkt hätte, mit ihrer Arbeit weiter unbeirrt für die Pressefreiheit einzutreten.

 

Hendrik Zörner


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