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18. Juni 2012
Computer-Bild

Offener Brief an Döpfner

Die freigestellten Mitarbeiter der "COMPUTERBILD"-Gruppe, deren Massenentlassung angezeigt werden soll, haben einen offenen Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG Mathias Döpfner geschrieben.

Darin werfen sie ihm einmal mehr vor, den Konzerngewinn auf Kosten der Mitarbeiter zu steigern. Der DJV hatte am Freitag über die weitere Eskalation des Konflikts berichtet.

Eva Werner


Hier nun der gesamte Inhalt des Briefs:

"Sehr geehrter Herr Dr. Döpfner,

gestatten Sie uns ein letztes Mal, das Wort an Sie zu richten.

Am 31. Mai schickten Sie uns Verlagsleiter Hans Hamer in die Morgenkonferenz der COMPUTERBILD-Gruppe, um die ach so frohe Botschaft zu verkünden: Er freue sich, so Hamer in seiner denkwürdigen Ansprache, „dass so viele Mitarbeiter in die GmbH wechseln.“ Anschließend blieben dann allerdings drei Viertel der Redaktion sitzen: Sie wurden mit sofortiger Wirkung freigestellt, werden jetzt von der Personalabteilung zur Auflösung ihrer teils bis zu dreißig Jahre zählenden Verträge gedrängt, erwarten für die nahe Zukunft die „betriebsbedingte“ Kündigung. Mitarbeiter, die Jahre, ja Jahrzehnte ihre ganze Kraft für den Axel Springer Verlag hingegeben haben, bekamen von Ihrem „Vollstrecker“ noch nicht einmal ein Dankeschön zu hören.

Sie sollten wissen: Es sind Mitarbeiter, die für ihr Recht auf eine angemessene Bezahlung ihre berufliche Existenz aufs Spiel gesetzt und verloren haben. Familienväter und -mütter, Alleinerziehende, Jung und Alt sitzen jetzt zu Hause und haben Angst vor einer ungewissen Zukunft. Aber Sie sollten auch wissen: Alle gehen aufrecht und stolz. Denn eines haben weder Sie noch Dr. Wiele oder Herr Hamer geschafft: sie zu brechen.

Die Lücken werden nun gefüllt von freien Redakteuren, von Praktikanten und Aushilfen. Der Anspruch der Leser auf eine qualitativ hochwertige Zeitschrift musste dem wirtschaftlichen Erfolgsdruck weichen.

Ein weit über das normale Maß hinaus engagiertes und durchaus auch wirtschaftlich erfolgreiches Redaktionsteam wurde des kurzfristigen Profits wegen zerschlagen. Denn es ist doch eine Tatsache, dass Vorstandsvertreter Schmid-Lossberg noch auf der Betriebsversammlung am 23. Mai verkündete: „Wenn es so weitergeht, kann es sein, dass die COMPUTERBILD-Gruppe 2015 in die roten Zahlen rutscht.“ Das bedeutet schließlich nichts anderes, als dass die Cobi-Gruppe nach wie vor in den schwarzen Zahlen ist. So wie Sie selbst mit Ihrer Bemerkung „Man muss den Moment der Stärke nutzen …“ alle wirtschaftlichen Gründe ad absurdum führten, fehlten auch ihm belastbare Gründe, mit denen dieser traurige Vorgang gerechtfertigt werden könnte. Aber wir alle wissen ohnehin: Es geht nicht darum, einen Absturz zu verhindern. Es geht Ihnen und Ihren Taschenrechner-Boys und -Girls darum, den Gewinn zu maximieren. Alles andere ist Augenwischerei.

Dass dabei hochprofitable Hefte genauso auf der Strecke bleiben wie die berufliche Existenz des größten Teils der Redaktion, was zählt das schon. Hauptsache, Sie verkünden den Aktionären (also auch wieder sich selbst) einmal mehr: Auch 2012 verzeichnet der Verlag Rekordgewinne. Sie verstehen sicher, dass wir nicht gratulieren.

Aber eines sollten Sie nicht vergessen: Jeden Cent, den Sie als Dividende ausschütten, haben wir erarbeitet, wir und all die Mitarbeiter, die als Nächstes aus dem Verlag fliegen.

Sie berufen sich immer wieder auf Axel Cäsar Springer und seine Ideale. Angesichts des Weges, den Sie dem Verlag seit einigen Jahren vorgeben, fragen sich aber nicht nur die freigestellten Mitarbeiter:

Schämen Sie sich nicht, Herr Dr. Döpfner?"


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