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14. März 2017
Einstellung von „Mona Lisa“

Sparen am falschen Ende

Das ZDF will das fast 30 Jahre alte Traditionsmagazin „ML mona lisa“ einstellen.

Eine monothematische Zielgruppensendung passe nicht mehr richtig ins Bild, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut und machte damit klar, dass Frauenprogramme aus seiner Sicht überholt sind. Das ZDF muss sparen und hat dabei vor allem Magazine ins Visier genommen. Mit der ersatzlosen Streichung von „Mona Lisa“  trifft es aber das falsche Ende: Der Trend entwickelt sich in die andere Richtung.

Denn es gibt durchaus einen wachsenden Markt für anspruchsvolle Frauen-Formate. Das zeigen erfolgreiche Online-Magazine wie das digitale Business- und Lifestyle-Magazin Edition F oder der VICE-Ableger Broadly. Auch Gruner + Jahr hat den Trend erkannt und brachte zum internationalen Frauentag gerade ein junges, neues Heft mit feministischem Ansatz heraus: "F Mag" wurde von Journalistinnen unter 30 entwickelt und ist ein Testlauf im Verlag, um herauszufinden, welche Leser emanzipierte Themen ansprechen, sagt Redaktionsleiterin Sara Schurmann. Warum sollten solche journalistischen Angebote und Experimente nur im Netz und auf Papier funktionieren und nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? 

Vielleicht trifft  Belluts Diagnose also durchaus zu, dass das Format „Mona Lisa“ in der bisherigen Form nicht mehr den Zeitgeist trifft. Der Erfolg neuer, feministisch geprägter Medienangebote zeigt aber, wie antiquiert die Begründung des ZDF-Intendanten ist, ein frauenspezifisches Format als solches sei überholt. Das Gegenteil ist richtig. 

Unter dem Hashtag #rettetmonalisa formiert sich derweil im Netz Widerstand gegen die ZDF-Pläne, auch die Frauenverbände kritisieren das Aus der Sendung massiv. Immerhin wird es deshalb keine betriebsbedingten Kündigungen geben.


Ein Kommentar von Anna-Maria Wagner


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