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27. Mai 2020
Trump

Twitter versagt die Gefolgschaft

Etwas Unglaubliches ist passiert – zumindest bisher unvorstellbar für Donald Trump. Twitter hat das erste Mal zwei seiner Tweets quasi als „Fake News“ gekennzeichnet.

Tweets von Donald Trump (Quelle: Twitter)

Dabei wurde eine neue Regel des Kurznachrichtendienstes angewendet. In seinen Posts behauptete Trump ohne Beleg, mögliche Briefwahlen in den USA seien nichts weiter als eine Einladung zum Wahlbetrug. Dank der Einmischung von Twitter steht jetzt unter seinen Tweets "Holen Sie sich hier die Fakten über Briefwahlzettel." (Get the facts about mail-in ballots“) in blauer Schrift, davor ein dickes Ausrufezeichen.

Folgt man dem Link, sieht man auf einer eigenen Seite mit der Überschrift "Trump behauptet unbelegt, dass Briefwahlzettel zu Wahlbetrug führen werden." („Trump makes unsubstantiated claim that mail-in ballots will lead to voter fraud.“) eine Zusammenstellung von Quellen und Tweets, die zeigen, dass es mit Briefwahlen und Wahlbetrug in den USA keine nennenswerten Probleme gebe.

Dass Trump dieser Gegenwind von seinem liebsten Social-Media-Kanal nicht schmeckte, machte er umgehend mit zwei weiteren wütenden Nachrichten deutlich: Twitter würde sich nun in die US-Wahl 2020 einmischen und der Kurznachrichtendienst ersticke die Meinungsfreiheit. Er würde das als US-Präsident aber nicht zulassen. Funfact zur Wahrheitsliebe von Trump: Der Faktencheck der Washington Post hat bis Anfang April 2020 mehr als 18.000 falsche oder fehlleitende Aussagen von Trump im Laufe seiner Präsidentschaft gezählt.

Gut so. Bleibt zu hoffen, dass Twitter vor Trump und seinen Anhängern nicht einknickt und die neuen Regeln und Hinweise zu Fehlinformationen („Approach to Misleading Information“) nicht nur bei ihm konsequent anwendet. Der Meinungsfreiheit kann das, anders als Trump es sieht, nur guttun.

 

Ein Kommentar von Paul Eschenhagen


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