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19. September 2016
Pressesprecher

Verplappert oder geirrt?

Weil der Pressesprecher einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft in Berlin von angeblichen Anweisungen aus der Politik redete, wurde er seinen Job los. Musste das sein?

Keine Frage: Der Mann hat Fehler gemacht. Lutz Ackermann, bis Samstag Pressesprecher der Berliner Wohnungsbaugesellschaft Degewo, hat andere Wohnungsunternehmen vor Interviewfragen der Berliner Zeitung gewarnt - schriftlich. Das war Fehler Nummer eins. Fehler zwei: Aus Versehen schickte er den Warnhinweis auch an die Berliner Zeitung - dumm gelaufen. Und der dritte Fehler schließlich kostete ihn den Job: Ackermann behauptete in seiner Mail nämlich, es sei die Position des Stadtentwicklungssenators, kritische Berichte vor der Berlin-Wahl möglichst zu unterbinden. Das hat nicht geklappt: Die Berliner Zeitung berichtete erstmals am Samstag, also einen Tag vor dem Urnengang. Und heute konnte sie vermelden, dass Ackermann seinen Job los ist.

 

Der Sprecher des Stadtentwicklungssenators dementierte umgehend die Aussagen seines Degewo-Kollegen. Dessen Unternehmen schloss sich - wen wundert's - dem Dementi an. Zu schnell kamen die Dementis, zu schnell wurde der Degewo-Sprecher kaltgestellt. Deshalb könnte etwas dran sein an Ackermanns Behauptung, es gäbe einen Maulkorb wegen der bevorstehenden Berlin-Wahl. Wer wirklich Recht hat, dürfte sich nicht zweifelsfrei aufklären lassen.

 

Aber warum nur liegen die Nerven so blank bei dem Berliner Senator und der Wohnungsbaugesellschaft? Darf ein Pressesprecher keinen Fehler begehen? Gegenüber der Öffentlichkeit wäre es überzeugender gewesen, wenn Lutz Ackermann von einem Irrtum gesprochen hätte. Oder wenn es eine Bestätigung für den Maulkorb gegeben hätte. Aber wer glaubt schon an Wunder?

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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