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17. Juli 2017
Türkeianzeige in der SZ

Wenn die eigene Anzeigenabteilung der Zeitung schadet

Da blieb einem doch glatt die Luft weg: Auf Seite 9 der Südeutschen Zeitung vom Samstag hieß es in einer ganzseitigen Anzeige: "Sieg der Demokratie über den Terror. Der 15. Juli - Tag der Demokratie und der Nationalen Einheit der Türkei".

Foto: Eva Werner

Natürlich sind die Anzeigenabteilung und die Redaktion auch bei der Süddeutschen Zeitung getrennt und die Redakteurinnen und Redakteure haben mit der Sache nichts zu tun. Aber sollte es der Anzeigenabteilung entgangen sein, welche Berichte über das Land in der eigenen Zeitung erschienen? Oder war es ihnen gar egal, weil die Anzeige gutes Geld einbrachte?

Ulrike Simon stellt zu Recht fest: "Es verlangt allerdings auch von Anzeigenleuten wenig politischen Sachverstand, um zumindest den Hauch eines Verdachts zu bekommen, dass eine derartige Anzeige womöglich mit Fingerspitzengefühl zu behandeln ist."

Nicht nur in Zeiten, in denen die Zeitungen sowieso schon um jeden Kunden kämpfen müssen, darf so etwas einfach nicht passieren. Wer da nur auf die Anzeigeneinnahmen spekuliert, hat eine Milchmädchenrechnung aufgemacht. Der Schaden ist langfristig nicht mehr gut zu machen. Glaubwürdigkeit lässt sich nicht mal so eben wieder herstellen.

Der Fall weckt Erinnerungen an die Werbebeilage "Russland heute" (Ableger von Rossijskaja Gaseta) in der Süddeutschen Zeitung, die von 2010-2014 in der Zeitung war. Auch damals hatte es sich um ein Anzeigengeschäft gehandelt.

 

 

Ein Kommentar von Eva Werner

 

 

 

 

 

 


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