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24. Januar 2019
Clans

Wenn Kriminelle zu Medienstars werden

Wer sich jetzt immer noch nicht in der Welt der Hauptstadt-Clans auskennt, hat den Schuss nicht gehört. Oder neigt einfach weniger zum Hyperventilieren als wir Medien.

Polizeieinsatz in Berlin Foto: Alper Cugun / CC

Anfang 2019 setzt sich der große Trend des vergangenen Jahres fort: Protzige, gewalttätige Kriminelle aus der Hauptstadt faszinieren Medien und Publikum gleichermaßen. Nachdem Gangsterrapper wie Bushido und Co. schon seit vielen Jahren die zumeist pubertäre Lust an der Provokation bedienen, ist das Thema Gewalt und Kriminalität endgültig Pop geworden.

 

Serien wie "4Blocks" und "Dogs of Berlin" haben das Thema auf die Bildschirme der Republik gebracht. Längst mischen sich dabei Fiktion und Realität, wie sich an den Verbindungen einiger "4Blocks"-Darsteller zu einschlägigen Berliner Familien zeigt. Seit einigen Wochen erobern die Konflikte zwischen Musikern mit Kriminellenattitüde und kriminellen Musikunternehmern auch die Schlagzeilen in den Panoramaressorts.

 

Weil sich das Auf und Ab des Clan-Lebens so unterhaltsam liest, werden aus Menschen, die ihren Unterhalt mit Gewalt, Drogen, Diebstahl und Prostitution verdienen, Popstars. Es scheint, dass einige Clan-Gangster den Ruhm regelrecht suchen. Wir Journalisten müssen aufpassen, ihnen nicht als Steigbügelhalter zu dienen, indem wir einige Akteure größer machen als sie sind. Die ganz großen Bösewichte geben sich nämlich öffentlich nie als solche zu erkennen. 

 

Ein Kommentar von Sebastian Huld.

 

 


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