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01. Juli 2019
Medienethik

Wie politisch ist das Zittern der Kanzlerin?

Sollen Medien über das Zittern der Bundeskanzlerin berichten? Womöglich noch mit ungeschnittenen Videos?

Angela Merkel: Spekulationen schießen ins Kraut. Foto: BPA

Klar ist: Bundeskanzlerin Angela Merkel geht es offenbar nicht gut. Zwei Zitteranfälle kurz nacheinander demonstrierten einem Millionenpublikum im In- und Ausland, dass die Kanzlerin nicht gerade topfit ist. Schon nach der ersten Attacke fragten scheinbar besorgte Kommentatoren, was Angela Merkel wohl fehle. In den Social Media reichte das Spektrum der Meinungsäußerungen von Besorgnis über Häme bis zu schlimmster Menschenverachtung.

 

Wie sollten Medien mit sichtbaren gesundheitlichen Problemen von Politikerinnen und Politikern umgehen? Auf jeden Fall respektvoll. Aber klar ist bei alledem, dass Spitzenpolitiker nicht auf 100prozentige Privatsphäre pochen können. Denn ob eine Regierungschefin gesundheitlich in der Lage ist, ihre Amtsgeschäfte uneingeschränkt auszuüben, ist eine Frage, die jeden Bürger etwas angeht.

 

Für Journalisten, vor allem für die Berichterstatter auf dem Boulevard, bedeutet das den berüchtigten Ritt auf der Rasierklinge. Wie lang darf der Filmausschnitt sein, um die Zuschauer ohne Abgleiten ins Sensationelle zu informieren? Und sind Spekulationen über die Krankheit zulässig? Fragen, mit denen Redaktionen zurzeit häufiger konfrontiert sind. Kein leichter Job.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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