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07. Dezember 2017
SPD-Bundesparteitag

Wie steht's um die Tarife, Genossen?

Mehr soziale Gerechtigkeit hat sich die SPD auf ihre Fahnen geschrieben. Auf ihrem Bundesparteitag sollte sie sich mal mit den Praktiken ihrer Medienholding auseinandersetzen. Von Tarifverträgen hält die wenig.

Von Neuaufstellung der Partei ist die Rede, von Orientierung und klaren Antworten. Der Einladungstext auf der SPD-Homepage zu ihrem heute beginnenden Parteitag stimmt optimistisch. Da will eine Partei alten Ballast abwerfen und die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft annehmen - toll.

 

Ach ja, will sie das wirklich? Im Antragspaket ist unter anderem die Rede davon, dass der Missbrauch der Leiharbeit beendet werden muss, dass externe und interne Mitarbeiter von Unternehmen gleich bezahlt werden sollen, dass es insgesamt gerechter in der Arbeitswelt zugehen soll. Was jedoch fehlt, ist der Blick in den eigenen Wirtschaftsbereich. Der heißt ddvg und ist die Medienholding der SPD. Diese Gesellschaft hält, verwaltet und steuert die Medienbeteiligungen und achtet darauf, so viel Gewinn wie möglich zu erwirtschaften, der an die Partei abgeführt wird. Das sind regelmäßig Millionenbeträge.

 

Eigentlich eine schöne Konstruktion für die Partei. Wären da nicht die Geschäftspraktiken der Verlage, an denen die ddvg beteiligt ist. Das sind nämlich samt und sonders Tarifflüchtlinge, Medienunternehmen also, die auf die eine oder andere Weise die in der Zeitungsbranche geltenden Tarifverträge für Journalisten und Verlagsangestellte umgehen. Die Folge: Redakteure der betroffenen Zeitungstitel verdienen weniger, als in den Tarifverträgen steht. Und die ddvg? Schweigt sich beharrlich aus.

 

Es ist höchste Zeit, dass sich die SPD damit befasst, was in ihrem Wirtschaftsbereich los ist. Am besten gleich heute.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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