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DJV Blog

20. Dezember 2016
Berliner Gewalttat

Wir schämen uns

Ein Reporter der Berliner Morgenpost hat Live-Bilder vom Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Facebook gepostet. Zu sehen waren auch Verletzte.

Als Journalist mit der Handykamera auf dem zerstörten Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz filmen, die Bilder auf dem Facebook-Account der Berliner Morgenpost live streamen - ungeschnitten, also auch mit Verletzten im Bild, mit Helfern. Das ist nicht der ganz große Scoop, ist nicht die Wahnsinnsstory, nach der Journalisten manchmal jahrelang suchen. Das ist nur wahnsinnig geschmacklos und ein Verstoß gegen den Pressekodex. Dass es bis nach Mitternacht dauert, bis die Morgenpost endlich die verstörenden Bilder abschaltet, macht die Entgleisung nur noch schlimmer.

 

Klar ist und klar muss sein: So arbeiten Journalisten in unserem Land nicht! Das verbieten ihnen ihr Informationsauftrag und das ethische Fundament, auf dem Journalistinnen und Journalisten stehen.

 

Wir schämen uns und bitten die Verletzten am Breitscheidplatz, die gegen ihren Willen auf das Morgenpost-Video geraten sind, um Verzeihung. Wir wünschen Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie so schnell wie möglich wieder gesund werden.

Update: Am 27. März 2017 hat der Deutsche Presserat zu dem Video folgende Entscheidung getroffen: "Nicht verstoßen gegen den Pressekodex hat ein Handy-Video, das unmittelbar nach dem Anschlag von einem Reporter einer Tageszeitung am Tatort aufgenommen und in der Online- bzw. Facebook-Ausgabe veröffentlicht worden war. Die Darstellung war weder unangemessen sensationell, noch wurden Persönlichkeitsrechte verletzt."

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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