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14. Juli 2016
Pressefotos

Wo war BILD?

In der Landesvertretung Thüringen in Berlin ist jetzt die Ausstellung "PresseFoto Hessen-Thüringen 2015" zu sehen. Bei der Eröffnung fehlten leider Vertreter der BILD-Zeitung.

Die Vorsitzende des DJV Thüringen Anita Grasse fand deutliche Worte, als sie am Abend des 13. Juli in Berlin die Ausstellung "PresseFoto Hessen-Thüringen 2015" eröffnete: "Wie würden Sie es finden, wenn Ihr Zahnarzt jetzt auch die Augen behandeln würde?", fragte sie die rund 150 Gäste, die den Weg in die thüringische Landesvertretung gefunden hatten. "Oder wenn Ihr Bäcker Fleisch verkaufen würde? Undenkbar." Mit ihrem Vergleich zielte sie auf die dramatischen Veränderungen ab, mit denen Bildjournalisten in vielen Redaktionen zu kämpfen haben. Dass Fotografen häufig auch noch schreiben müssen, verändert das Berufsbild und hat zwangsläufig Auswirkungen auf die Qualität. Grasse: "Bestenfalls kommt Mittelmaß dabei heraus." Weil die Bildjournalisten sich nicht mehr darauf konzentrieren können, ein wirklich gutes Foto zu produzieren. Denn sie müssen sich ja auch noch um den Text kümmern.

 

Die Abwertung des Fotografenberufs ist nicht auf Thüringen und Hessen beschränkt. Die BILD-Zeitung wirbt offensiv um sogenannte Leser-Reporter und bietet bis zu 250 Euro für ein Foto. Fast auf den Tag genau seit 10 Jahren wirbt BILD um Amateure, die nach Darstellung des Blattes seitdem 1,3 Millionen Fotos eingeschickt haben. Davon sollen 26.000 veröffentlicht worden sein. 3,6 Millionen Euro habe BILD an Honoraren ausgezahlt.

 

Und die Bildjournalisten, die für BILD arbeiten? Ihre Honorare liegen bei rund 50 Euro pro Foto - eine Unverschämtheit gegenüber den fürstlichen Gagen, die die Leser-Reporter bekommen. Wie lange wollen sich die Kollegen Springers Honorarpolitik noch gefallen lassen?

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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