Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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Bilder einer Hinrichtung

09. April 2015

Die meisten Medien zeigen das Video von der Hinrichtung des US-Bürgers Walter Scott durch einen Polizisten. Warum?

Die Bilder sind schockierend: Ein Afroamerikaner in grünem T-Shirt läuft vor einem Polizisten weg. Der zieht seine Waffe und feuert mehrere Schüsse auf den Mann ab, der daraufhin tot zusammenbricht. Das Video ist zwar verwackelt, aber die entscheidenden Szenen sind klar zu erkennen, die Schüsse zu hören. Der Vorfall ereignete sich bereits am Samstag im US-Bundesstaat South Carolina, in den deutschen Medien kam das Thema am Mittwoch an.

 

Viele Medien zeigen das Video, einige von ihnen ohne den Zusammenbruch des Opfers, einige in ungekürzter Fassung. Anders als bei früheren Schockbildern zieht sich die Trennlinie zwischen geschnitten und ungekürzt diesmal nicht am Graben zwischen Boulevard- und sogenannten Qualitätsmedien entlang. Und anders als sonst hebt diesmal keine Debatte über die Frage an, ob das Video gesendet werden darf oder nicht. Steckt den Journalisten noch die in Teilen quälende Diskussion über den Umgang mit Namen und Fotos des Germanwings-Copiloten in den Knochen? Haben sie einfach keine Lust auf die nächste medienethische Debatte innerhalb weniger Wochen? Oder sind sie und die Mediennutzer inzwischen so abgebrüht, dass sich niemand mehr an dem Hinrichtungsvideo stört?

 

Der entscheidende Unterschied zu früheren Gewaltbildern besteht darin, dass nicht nur die Darstellung der Schüsse, sondern auch die Existenz des Amateurvideos dem Fall in den USA Bedeutung verleihen. Denn weil ein Bürger gefilmt hatte, konnte der Polizist der Falschaussage überführt und wegen Mordes angeklagt werden. Das dürfte denn auch der Grund sein, warum sich hierzulande niemand über die Ausstrahlung des Streifens aufregt. Hoffentlich.

 

Hendrik Zörner

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