Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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Kabul

Fragen bleiben

27.08.2021

Vor den verheerenden Anschlägen in Kabul hat das US-Militär internationale Korrespondenten, darunter auch deutsche Journalisten, kurzerhand rausgeschmissen. Angeblich mit Rückendeckung deutscher Diplomaten. Stimmt das?

Rettungsflug: wie viele Journalisten? Foto: Bundeswehr

Die Bombenanschläge auf wartende Menschen rund um den Flughafen von Kabul waren verheerend. Die Leichen sind noch nicht gezählt, geschätzt werden bis zu 100 Tote. Unfassbar, grauenhaft, feige. Die Verzweifelten, die noch einen der letzten Evakuierungsflüge erreichen wollten, waren die Opfer, US-Soldaten auch.

Definitiv nicht unter den Opfern sind Korrespondenten von BILD, Spiegel, Zeit und anderen internationalen Medien. Nach Paul Ronzheimer von der BILD, der vorgestern kurzerhand von den US-Soldaten in Kabul nach seiner Ankunft wieder in ein Flugzeug verfrachtet und zusammen mit 10 internationalen Kollegen nach Doha ausgeflogen wurde, machten die Amerikaner gestern auch mit dem Spiegel-Journalisten Christoph Reuter und Kollegen der Zeit kurzen Prozess: Kurz nach ihrer Ankunft wurden sie zur Ausreise gezwungen. Das sei, so hieß es, angeblich mit deutschen Diplomaten abgesprochen. Wenige Stunden später detonierten die Bomben.

Die Verkettung der Ereignisse ändert nichts daran, dass das amerikanische Militär die Pressefreiheit kurzerhand außer Kraft gesetzt hat, dass es Berichterstatter nicht dabei haben wollte - aus welchen Gründen auch immer. Es ist am Auswärtigen Amt, Antwort darauf zu geben, ob die Ausweisungen abgesprochen waren und aus welchem Grund deutsche Diplomaten offenbar damit einverstanden waren. Und wenn die Behörde von Heiko Maas schon Antworten formuliert, kann sie auch gleich Zeugnis darüber ablegen, wieviele Journalisten, Familienangehörige und Medienmitarbeiter sie evakuiert hat.

Ein Kommentar von Hendrik Zörner

 

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