Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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Afghanistan

Gesendet - gefeuert - geflohen

25.08.2021

Täglich dutzende Hilferufe aus Afghanistan - und kaum noch Hoffnung. Journalisten und ihre Familien müssen evakuiert werden. Sonst droht ihnen der Tod.

Kabul: Es geht um Menschenleben. Foto: Tagesschau.de

26 Jahre jung, ausgebildete Nachrichtenjournalistin, engagierte Demokratin. Das ist die Kurzbeschreibung einer Journalistin, die sich am Wochenende per Mail an den DJV wandte und auf ihr Schicksal aufmerksam machte. Bis vor Kurzem hat sie für einen afghanischen Fernsehsender gearbeitet. Ihr Themenschwerpunkt waren die Taliban. Der Sender wurde längst geschlossen, die Journalisten in die Flucht getrieben. Einige ihrer Kollegen sollen gefoltert und getötet worden sein, hat sie gehört. Zusammen mit ihrem Ehemann, der ebenfalls bei dem Sender arbeitete, ist sie jetzt auf der Flucht, zieht von einer Stadt zur anderen, um den Häschern zu entgehen. Ihre letzte Hoffnung sind die Rettungsflüge von Kabul aus. Ob sie es in die Hauptstadt des Landes schafft, ist ungewiss. Und dann wäre sie noch längst nicht in Sicherheit.

Solche erschütternden Berichte erreichen uns seit mehr als einer Woche ununterbrochen. Und nicht nur uns: Bei der Internationalen Journalisten-Föderation gehen täglich dutzende Hilferufe ein. Wir leiten sie weiter an das Auswärtige Amt und hoffen darauf, dass die Bedrohten und Verzweifelten auf eine der Passagierlisten in Kabul gelangen.

Von Seiten der Bundesregierung herrschte lange, viel zu lange Funkstille, wenn es um Journalisten und Mitarbeiter von NGO's ging. Die Rede war immer nur von Ortskräften der Bundeswehr. Zumindest das Auswärtige Amt hat inzwischen verstanden, dass der Kreis der Menschen viel größer ist, um die sich Deutschland kümmern muss. Außenminister Heiko Maas twitterte gestern, dass "sofort 10 Mio. € zusätzlich für Programme für besonders gefährdete Vertreterinnen & Vertreter von Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Kunst & Menschenrechtsorganisationen" zur Verfügung gestellt würden.

Schön, Herr Minister. Aber es geht nicht nur um Geld, sondern um Menschenleben, die zu retten sind. Und um die Frage, was eigentlich geschieht, wenn die US-Soldaten den Kabuler Flughafen verlassen haben. Sie und die anderen Mitglieder der Bundesregierung können sich schon mal eine gute Antwort überlegen, die Sie den in Afghanistan verbliebenen Journalisten und deren Familienangehörigen dann geben.

Ein Kommentar von Hendrik Zörner

 

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