Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

DJV Blog

Kabul

Kurzer Prozess

26.08.2021

Das US-Militär hat gestern zwölf internationale Journalisten gegen ihren Willen aus Kabul ausgeflogen. Mit dabei: der stellvertretende Chefredakteur der Bild-Zeitung.

BILD-Aufmacher: aus Kabul rausgeschmissen. Screenshot: DJV

Paul Ronzheimer und ein Fotograf wollten sich am Flughafen von Kabul ein Bild von der Lage machen und für BILD berichten. Damit waren sie die einzigen deutschen Journalisten vor Ort. Ebenfalls dabei waren zehn weitere Kollegen internationaler Medien. Ihr Plan war, den Flughafen zu verlassen und in der afghanischen Hauptstadt zu recherchieren. Doch daraus wurde nichts: Das US-Militär, derzeit die größte Sicherheitstruppe vor Ort, sammelte die Journalisten ein und setzte sie in ein Flugzeug nach Doha. Da half auch die Beteuerung der Kollegen nichts, dass sie sich um ihre Sicherheit in der Stadt selbst kümmern wollten.

Ronzheimer informierte laufend via Twitter. Er vermutete, das US-Militär befürchte angesichts der Schande in Afghanistan "kritische Presse". Außer Spekulationen hatte er nichts, denn eine offizielle Begründung für die Ausweisung blieben die Amerikaner schuldig.

Diese Begründung wüssten wir aber gern. Denn egal wie man zu Ronzheimers Recherchetour steht, war der Rausschmiss ein glatter Verstoß gegen die Pressefreiheit.

Ein Kommentar von Hendrik Zörner

 

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