Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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Gefährden Fake News die Bundestagswahl?

Recherche von Wolfgang Kerler und Arne Meyer-Fünffinger (beide BR)

25.08.2017

"Gefährden Fake News die Bundestagswahl?" - wollte der Bayerische Rundfunk wissen. Die Ergebnisse sind interessant, auch wenn die Frage nicht eindeutig beantwortet werden konnte.

Wolfgang Kerler  und Arne Meyer-Fünffinger analysierten für die zehn Spitzenkandidaten von CDU, CSU, SPD, Linken, Grünen, FDP und AfD. Die Ergebnisse wurden auf der BR-Webseite zusammengefasst. Die beiden Journalisten nutzten zur Untersuchung das Analyse-Tool BuzzSumo. Untersucht wurden im August 2017 bei jedem Kandidaten die zehn erfolgreichsten Inhalte auf Facebook und Twitter, also die mit den meisten Interaktionen innerhalb der letzten zwölf Monate. Von 100 Artikeln waren sieben Fake News, also gezielte Falschmeldungen, die Stimmung gegen Kandidaten und Parteien machen sollen. Teils war der gesamte Text falsch, teils einzelne Behauptungen. Diese sieben Fake News betrafen Angela Merkel, Martin Schulz und Cem Özdemir. Falschmeldungen über die anderen sieben Spitzenkandidaten, die durchaus im Netz kursieren, landeten nicht in den
Social Media-Top 10.

Der höchstplatzierte Fake News Artikel zu Angela Merkel etwa erzielte fast 48.000 Social Media-Interaktionen. Es handelt sich um einen "offenen Brief" an Angela Merkel, der bei „Unser Mitteleuropa“ erschien und der Kanzlerin vorwirft, sie zerstöre mit ihrer Politik Europa, fördere den Flüchtlingszuzug und habe ihren Amtseid gebrochen. Flüchtlinge bekämen einen höheren Hartz-IV-Satz, Teenager würden von Flüchtlingen geschwängert usw. Bei Martin Schulz waren sogar sieben der zehn häufigsten Meldungen falsch oder Satire. Mit fast 39.000 Interaktionen auf Facebook und Twitter war der Artikel „Martin Schulz – der Multimillionär“ (The European) am "erfolgreichsten", der zumindest eine nicht belegbare Behauptung aufstellte.  Der meistgelesene Fake-News-Artikel zu Grünen-Chef und Spitzenkandidat Cem Özdemir (rund 16.500 Likes bei Facebook und Twitter) erschien auf Halle Leaks. Es handelt sich um den Text „Olivgrüner Özdemir mag ISIS und Islamisten mehr“.


Alle drei Parteien gaben sich offenbar gelassen, als sie mit den Ergebnissen des BR konfrontiert wurden.


Entwarnung also? Dafür ist es sicherlich zu früh, zumal das Problem Fake News mit den Wahlen nicht erledigt sein wird. Auch wenn es nach Einschätzung der am häufigsten betroffenen Parteien keinen Grund zur Panik gibt, wird das Problem weiter bestehen. Um größeren Schaden von der Demokratie abzuwenden sind Politik, aber auch Google, Facebook und Twitter in der Pflicht zu handeln und aufzuklären.

Ein Kommentar von Eva Werner

 

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