Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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Weiche ins Abstellgleis

05.05.2021

Beim rbb machen die Freien mobil. Weil 75 von ihnen bald nicht mehr für den Sender arbeiten dürfen, haben sie eine Aktionswoche ausgerufen. Die Folge: Sendungen müssen ausfallen, im Radioprogramm dudelt jetzt mehr Musik.

Das Regionalmagazin Zibb des rbb muss bald weichen. Das hatte Intendantin Patricia Schlesinger gegenüber dem Mediendienst turi 2 im März so begründet: "Wir müssen bestimmte Dinge sein lassen, damit wir neue Dinge tun können." Klingt nachvollziehbar und gar nicht brutal. Aber genau das ist es, denn 75 freien Journalisten wurde die Mitarbeit aufgekündigt. Einfach so in Pandemie-Zeiten, in denen sich Freie noch mehr nach der Decke strecken müssen als vorher schon.

Kritik an der Zibb-Einstellung ließ Schlesinger an sich abtropfen. Allen Beteiligten war klar: Die Intendantin bewegt sich nicht. Mit Folgen: Am 1. Mai begann die Aktionswoche der rbb-Freien, immerhin 1.500 an der Zahl. Steffen Grimberg, Vorsitzender des DJV Berlin/JVBB, ließ bei einer Kundgebung vor dem Funkhaus in der Berliner Masurenallee am 1. Mai seinem Ärger über die Kahlschlagpolitik des Senders freien Lauf: "Die Anforderungen wachsen, die Arbeitsbelastung steigt. Nicht zuletzt die rund 1.500 freien Mitarbeiter*innen sind bereit, sich zu verändern, und machen das schon lange. Aber es dankt ihnen niemand. Gespart wird wieder einmal auf ihrem Rücken. Ihre Arbeitsvolumen werden gekürzt, von manchen trennt man sich ganz. Das muss sich ändern: Mit einem Bestandsschutz für Freie, wie es ihn bei anderen ARD-Anstalten seit langem gibt."

Am Tag der Arbeit begann die Aktionswoche der rbb-Freien. Ihr Protestaufruf findet von Tag zu Tag mehr Unterstützer. Und inzwischen ist klar, dass es nicht bei kämpferischen Worten bleibt: Sendungen werden aus der Konserve ausgestrahlt, im Hörfunk geht der Informationsanteil stetig zurück.

Im Interview mit turi 2 hatte Patricia Schlesinger bildreich davon gesprochen, dass sie "lieber ins Führerhaus anstatt in den letzten Waggon" des fahrenden Zuges einsteigt. Begründung: Vorne könne man nämlich noch mitentscheiden, welche Weiche man nimmt. Ob sie gerade mit Volldampf auf dem Abstellgleis unterwegs ist?

Ein Kommentar von Hendrik Zörner

 

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