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04. Januar 2013
Onlinemedien machen

Die Millionengeschichte vom erfolgreichen US-Blogger

Ohne harte Arbeit geht es leider doch noch nicht, auch nicht online.
Screenshot des digitalen Zahlungsdienstes tinypass.com


Die deutsche Online-Szene ist in Wallung: In nur 24 Stunden hat ein US-Medienmacher über 300.000 Dollar eingesammelt, um ein werbefreies Online-Magazin im Netz einzurichten. Die Lösung lautete nicht Crowdfunding, sondern ein Abo-Modell mit Mindestpreis 19,99 Dollar und Möglichkeit zur Zusatzspende.

Wir wollen auch, diese Sehnsuchtsmelodie ist aus den Reaktionen deutschen Netzfreunde heraus zu hören.

Irgendwie neu ist die Idee mit dem Onlinemagazin und dem Abo allerdings nicht: Schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten arbeiten Medienmacher im Onlinebereich mit dem Modell. Allerdings war es mit dem Geldverdienen auf Vorschussbasis dort nicht so einfach. Die meisten mussten mindestens drei harte Jahre auf sich nehmen, in denen sie praktisch nichts verdienten. "Ich habe drei Jahre lang jeden Tag daran gedacht, aufzugeben", so ein Medienmacher eines jetzt erfolgreichen Magazin. Viele andere bestätigen diese Erfahrung. Drei Jahre mit 50 bis 60 Stunden Arbeit pro Woche, 14 bis 16 Stunden am Tag, drei Jahre praktisch keinen Urlaub.

Wie also von Null auf 300.000 in nur 24 Stunden? Vermutlich war es nur möglich, weil das Online-Magazin gar nicht neu gegründet, sondern bereits seit Jahren im Markt eingeführt war. Die Seite "The Dish" von Andrew Sullivan hatte auch klein angefangen und erst später in eine Kooperation mit diversen größeren Internetseiten gegangen, die sich über Werbung finanzierten.

Sechs Jahre der Kooperation, jetzt der Absprung. Da war es möglich, die Fangemeinde mitzunehmen, die über Jahre hinweg geschaffen wurde. Bei Tinypass.com, einem Anbieter für digitale Abonnements, können die Leser jetzt entweder den Jahrespreis von 19,99 Dollar zahlen oder sogar noch freiwillig mehr zahlen.

Die positive Nachricht Nr. 1 lautet also: Offensichtlich sind Leute bereit, für gute Inhalte im Netz zu bezahlen, und das sogar im Voraus.

Die zweite gute Nachricht lautet: Man kann "weitergehen", weg von bisherigen Kooperationspartnern bzw. Arbeitgebern.

Allerdings ist eine vorschnelle Übertragung dieser Geschichte auf die eigene Situation als Redakteur oder bei großen Medienanbietern untergeschlüpfter Blogger wahrscheinlich nicht so ratsam. Denn nicht jeder Redakteur oder Blogger hat wirklich eine "Fangemeinde". Vor allem, wenn die Rechte am Format nicht geklärt sind oder die Leser zwar den Redakteur/Autoren schätzten, aber gleichwohl als Gewohnheitsmenschen weiterhin eher die bisherige Seite mit einem neuen Redakteur besuchen.

Wer "den Sullivan" machen möchte, muss vertraglich Freiheit bzw. Rechte am Format haben und zugleich Fanformat. Gelingen kann das Journalisten, die ein bestimmtes Spezialthema haben und sich - über die Kolumne bzw. das Format hinaus - persönlich als "Marke" etabliert haben.

Für alle anderen wird es wie bisher dabei bleiben, dass die Geschichte vom Tellerwäscher bzw. Blogger zum Drittelmillionär eine Ausnahmegeschichte bleibt und harte Arbeit angesagt bleibt, über Jahre. Wobei, und das ist die eigentliche Geschichte, dies auch bei Andrew Sullivan nicht anders war. Er fährt jetzt die (Vorschuss-)Rendite ein für jahrelange Arbeit an Content und Format.


Michael Hirschler, hirspamfilter@djvspamfilter.de


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