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23. Juni 2014
Akkreditierungspraxis

“Entschuldigung, aber Sie wurden versehentlich akkreditiert”

Die Kunstmesse Art Basel entwickelt sich immer mehr zur No-Go-Area für freie Pressefotografen, meint Alexander Sandvoss im DJV-Freienblog
Bild mit dem Schriftzug Art Basel auf dem Gebäude der Messe

Art Basel - Foto: Alexander Sandvoss

Dass feste und freie Journalisten allesamt gleich behandelt werden, ist  bekanntermaßen ein Trugschluss. Zuletzt ist mir dies auf der weltgrößten Kunstmesse, der Art Basel, bewusst geworden:

Als freier Bildjournalist habe ich einen Antrag auf Presseakkreditierung online gestellt. Dazu muss man wissen, dass die Messe Basel Ihre Richtlinien für eine Akkreditierung in den letzten Jahren verschärft hat. Sehr zum Nachteil für freie Journalisten und Fotografen: ein Redaktionsauftrag ist nun zwingend erforderlich, trotz vorhandener Arbeitsbelege vergangener Art Basel Messen.

Doch wie definiert sich dies für einen Pressefotografen, der seinen Content über Agenturen weltweit an Print- und Internet Medien verteilt ? Zunächst wurde mein Antrag auf Presseakkreditierung per E-Mail abgelehnt. Ich solle mir bitte an den Publikumstagen eine Eintrittskarte kaufen.
 
Da man auf dem Online Presseportal der Art Basel aber nur einen einzigen Arbeitsbeleg als PDF hochladen kann, habe ich per E-Mail bei der Pressestelle nachgehakt und weitere Belege der vorherigen Art Basel beigefügt. Denn im Laufe der letzten Jahre hatte ich Veröffentlichungen in auflagenstarken Printmedien aus Deutschland, der Schweiz, England, Russland etc.

Da ich keine Antwort auf meine E-Mail erhielt, bin ich am Vortag der Art Basel direkt mit den Belegen an den Pressecounter gegangen. Nach Vorlage der Belege erhielt ich eine Fotografenakkreditierung. Das dies ein Fehler einer Mitarbeiterin war, erfuhr ich einige Tage später: Als ich erneut das Pressecenter betrat, nahm man mich dezent beiseite: “Sie haben versucht, sich zweimal online zu akkreditieren und wurden auch zweimal abgelehnt. Danach haben Sie bei einer noch nicht so erfahrenen Kollegin persönlich vorgesprochen und sich akkreditieren lassen. Dies war ein Fehler der Mitarbeiterin, da sie gar keine Akkreditierung hätten erhalten dürfen.”

Baff, das hat gesessen: Ich kam mir vor wie ein Schulbub, der versucht hatte, sich mit seinem Jugendpresseausweis aufs Justin Bieber Konzert zu schummeln. Daraufhin wurde ich zu einem weiteren Gespräch an einen Tisch gebeten. Dort wurde mir mitgeteilt, dass alle relevanten Bilder zur Art Basel auf der Webseite der Messe Schweiz zu finden sind und sich die Redaktionen von dort aus bedienen können.
Ich empfand diese belehrenden Worte als presserechtliche Ohrfeige: Die Messe streut also ganz gezielt Ihren Content, externe Bildjournalisten sind offensichtlich unerwünscht und somit kritische Bildberichterstattung nahezu ausgeschlossen.
 
Ich habe die Dame von der Pressestelle dann nochmals darauf hingewiesen, dass ich neben Promifotos von der Art Basel (die seitens der Messeleitung nicht erwünscht sind) auch reguläre Fotos von Kunstwerken und allgemeiner Messe-Atmo in internationalen Printmedien veröffentlicht habe. Nach einer weiteren Durchsicht meiner Belege entschied sich die Pressedame, meine Akkreditierung doch noch für gültig zu erklären.
 
Ich schreibe dies, weil es hier gar nicht um mich geht. Jeder Mensch ist austauschbar, auch ein Pressefotograf. Es geht um die Zukunft von freien (Bild)-Journalisten: Wenn die Industrie (Firmen, Veranstalter, Messegesellschaften etc.) in Zukunft Ihre Inhalte gezielt selbst streuen, zum Beispiel durch Hausfotografen oder eine einzige Agentur, dann ist meiner Meinung nach die Pressefreiheit und vor allem kritische Berichterstattung gefährdet.
 
 
Alexander Sandvoss


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