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15. Mai 2014
krautreporter

Nur ein neues Käsblatt für die Netzgemeinde?

Langweilig und überflüssig oder erfolgreiche Nischenwahl, fragen sich manche.


"Filterbubble, schmale Redaktion, schmale Zielgruppe, zudem technisch orientiert", deutlich kritisiert Altblogger Rainer Meyer ("Don Alphonso") das neue Projekt krautreporter.de, das derzeit mit Crowdfinanzierung starten will. Meyer spricht auch von "fader, linksmainstreamiger Weltbemimimisierung".

In der Tat sind einige der Macher wohlbekannte Gesichter, Wortführer der so genannten Netzgemeinde in Deutschland, deren Credo klar ist: Digitalisierung ist Trumpf, Google eher gut, Urheberrecht schlecht, totale Transparenz prima und die Piratenpartei eigentlich die Lösung für die meisten Probleme.

Bekommt die Netzgemeinde jetzt also ihr Käsblatt, auf das keiner wirklich gewartet hat? Denn schon in der Vergangenheit war ein Teil der Macher ja mehr oder weniger gemeinsam aufgetreten, zwar auf verschiedenen Blogs und Foren, aber öfters mit freundlichen Bezugnahmen und gemeinsamer Front gegen unliebsame Meinungen. Insofern scheint krautreporter.de nicht wirklich für neue Inhalte, sondern eher eine bessere Benutzerführung zu mittlerweile altbekannten Positionen zu stehen.

Warum aber eigentlich nicht? Was Medienspezialisten langweilen mag, kann für die breite Bevölkerung immer noch interessant sein, und die Frage stellt sich, welche sonstige Nische denn publizistisch noch besetzt werden könnte. Welche Orientierung fände Meyer denn unterhaltsamer, wenn er "linke Weltbemimisierung" so schlecht findet?

Klar ist: Mit starken rechten Positionen kann in der Medienwelt manchmal für mehr Furore gesorgt werden, weil ein größerer Teil von Journalisten (freilich längst nicht alle) schon auf Grund der eigenen, meist bescheidenen sozialen Situation einen irgendwie mittig bis sozialdemokratisch-grün angehauchten Kurs steuern. Rechts fällt da schon eher auf, was einzelne Publizisten deswegen leidlich nutzen, auch wenn sie sich dazu sicherheitshalber öfters die Clownsmaske aufsetzen, wie beispielsweise Jan Fleischhauer oder Henryk Broder. Auch Akif Pirinçci beispielsweise, der gleich ganz "Deutschland von Sinnen" sieht.

Doch konservative Onlinemedien gibt es doch schon recht viele, dafür sorgt schon allein der Axel-Springer-Verlag mit zahlreichen Zeitungen und Magazinen, und auch die F.A.Z. ist mit ihrem Online-Angebot sehr aktiv, wo Rainer Meyer übrigens selbst einen Blog präsentieren darf, bei dem auch eher konservativ philosophiert wird. Und wer es dann noch rechtslastiger mag, kann dann beispielsweise die "Achse des Guten", "pi-news.net" oder gleich "kath.net" besuchen.

Auf der anderen politischen Seite der Onlinewelt finden sich ihrerseits durchaus umfangreiche Online-Angebote wie taz.de, freitag.de bis hin zu den Onlineseiten von jungewelt.de. Auch hier sind viele Nischen schon besetzt.

Und dann gibt es noch die große Onlinewelt der Rundfunkanstalten, deren politische Ausrichtungen bekanntlich offiziell nicht existieren, die Redaktionen allerdings mitunter doch einige Spielräume in beide großen Lager der politischen Welt nutzen.

Kurzum: Marktlücken gibt es kaum, und daher scheint es eher so, als hätte sich die Macher von krautreporter.de mit ihrem bekannten und erprobten Fokus durchaus eine sinnvolle Position gesucht. Auch wenn die Positionen und die neue Konkurrenz vielen anderen Onlinemedien nicht gefallen wird, kann das Angebot funktionieren. Also in der Tat, ein neues Käsblatt, aber wieder einmal kann mit Klaus Wowereit gesagt werden: "Und das ist gut so!"


M. Hirschler


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