Deutscher Journalisten-verbandGewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten
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der freienblog

15. Dezember 2014
Gesetzgebung

Tarifeinheit hat auch Vorteile

Unser Autor plädiert vehement für die Gründung der Einheitspartei für Deutschland (EfD)

Kürzlich traf ich Dimitij, den ich noch aus Zeiten unseres gemeinsamen Journalismusstudiums* kenne. Dimtrij lebt wie ich seit den 90ern in Deutschland, war auch lange Jahre freier Journalist, hat aber vor einiger Zeit auf Lokführer umgeschult, weil er ein sicheres Einkommen wollte**.

"Dimitrij", rief ich, wie ich ihn vor der Trinkhalle stehen sah, "Du siehst so betrübt aus, was ist los?" - "Alexander, es sieht düster für mein Gehalt aus, wegen diesem Gesetz zur Tarifeinheit!" meinte Dimitrij und bestellte für uns einige Klare. "Tarifeinheit?" Mir war nicht klar, was Dimitrij damit zu tun hatte.

"Ich bin doch in der Gewerkschaft der Lokführer", erklärte Dimitrij, "gerade wollten wir mehr Lohn erstreiken, und jetzt macht die Regierung ein Gesetz, das uns Streiks verbietet! Nur noch die großen Gewerkschaften dürfen streiken!" Ich versuchte ihn zu beruhigen: "Aber Dimitrij, es hat vielleicht sein Gutes! Wenn alle möglichen kleinen Gewerkschaften streiken, dann geht ja gar nichts mehr in diesem Land, es braucht doch manchmal auch Einheit und Disziplin, man sagt doch ohnehin, dass das typisch deutsche Tugenden sind!"

Dimitrij rief rot an: "Alexander, das betrifft doch auch Dich. Du bist doch im Journalistenverband, die können dann doch auch nicht mehr streiken!"

Ich musste schwer schlucken. Dimitrij machte seiner Berufsgruppe alle Ehre. Nicht nur meinen die Lokführer. sie könnten besser streiken als die Kollegen der Einheits-Bahngewerkschaft, sie wollen sogar noch Gewerkschaftsangehörige ganz anderer Berufe belehren! Offenbar steckt mittlerweile in jedem Lokführer ein kleiner Weselsky.***

Auch um Dimitrij ein wenig zu provozieren, zuckte ich demonstrativ mit den Achseln. "Dimitrij, ich bin freier Journalist, was gehen mich da Tarifverträge an!" - "Aber Alexander, Du arbeitest doch manchmal als Freier an Rundfunkanstalten, da war ich doch früher auch, da gibt es doch Tarifverträge für Freie, ich erinnere mich doch ans Urlaubsgeld damals!" Ich dachte nach. "Ja, klar, irgendwie gibt es da diese Tarifverträge und Geld im Urlaub. Aber ich denke nicht, dass das alles abgeschafft wird, nur weil mein Journalistenverband nicht streiken kann. Ich meine, ich habe noch nie gestreikt, und trotzdem gibt es Tarifverträge!" "Alexander, dann mussten andere für Dich streiken. Du bist halt ein Trittbrettfahrer! Leute wie Du, denen alles egal ist, sind der Untergang, das ist Sklavenmoral!" tobte Dimitrij.

"Dimitrij, ich finde, dass zu negativ. Einheit und Ordnung sind nichts Negatives. Denk doch daran, wie wir aufgewachsen sind. Wir lebten in einem Land, das aus vielen Nationalitäten bestand, aber ein einheitliches, gemeinsames Land war, - die Sowjetunion. Es herrschte Friede, nicht wie heute, wo sich an allen Ecken die Leute die Köpfe einhauen, ich bin Russe, ich bin Ukrainer, ich bin Georgier und so weiter und so fort. Wir waren Sowjetbürger, und das genügte! Es gab auch keinen politischen Streit, einfach eine Partei, eine Regierung und ein zentrales Komitee, das alle Streitfragen klärte! Natürlich gab es auch nur eine Gewerkschaft für jeden Wirtschaftsbereich, und einen einzigen Gewerkschaftsbund! Und diese Gewerkschaften beschäftigten sich nicht mit Streiks, sondern machten Kulturabende und hatten Ferienanlagen, man lernte seine Freunde und Freundinnen fürs Leben kennen, alles im Sinne der Einheit! Ja, damals herrschte Tarifeinheit, und war das so schlecht?"

"Alexander, Du hörst Dich an wie ein Sowjetnostalgiker. Ich verstehe ja, dass Du die Sowjetunion vermisst. Hat ja auch Putin gesagt: Wer die Sowjetuinion nicht vermisst, hat kein Herz. Putin hat aber auch gesagt: Wer die Sowjetunion wiederhaben will, hat kein Gehirn!"

"Dimitrij, wir brauchen vielleicht nicht die Sowjetunion, aber mehr Ordnung und Disziplin sind nicht schlecht! Der Trend zur Einheit ist doch überall, da ist ein einheitliches Land - die Europäische Union, das einheitliche Geld - der Euro, ja sogar unsere Regierung besteht aus einer großen Koalition, Einheit im Interesse aller Bürger!"

"Alexander, aber was wird aus meinem Lohn, der sinkt und sinkt in Deinem feinen Einheits-Europa, und wenn ich mich nicht irre, sieht es bei freien Journalisten auch nicht anders aus, Ihr seid doch auch finanziell am Ende. Wir werden immer ärmer, und die großen Gewerkschaften sagen nur Ja und Amen und kürzen kräftig die Gehälter im Interesse der Konzerne!"

"Dimitrij, das ist doch seit langem bekannt, mit Arbeit für andere wird niemand reich! Wenn Du mehr Geld willlst, hilft Dir in Wirklichkeit kein Streik, da musst Du selbst was unternehmen! Mach Dich selbständig und bau Dein eigenes Ding auf!"

"Alexander, ich bin Lokführer! Wie soll ich mich da selbständig machen?"

"Gründe Deine eigene Bahngesellschaft, Dimitrij! Du musst in großen Dimensionen denken. Wer nur Knöpfe verkauft, verdient nur Knöpfe! Gründe eine Aktiengesellschaft, hol Dir Risikokapital!"

"Alexander, das funktioniert nie. Denk doch an all die Vorschriften in Deutschland! Abgesehen davon, ich sehe nicht viel davon, dass Du selbst in größeren Dimensionen denkst!"

"Nun Dimitrij, Du hast Recht, in Deutschland geht echtes Gründertum nicht mehr. Das ist der Grund, warum ich noch nicht groß rausgekommen bin. Die Lösung heißt allerdings, wir beide wandern nach China aus, denn dort herrscht noch Gründergeist. Da gründen die Leute eben mal ganze Riesenstädte und bauen Hochgeschwindigkeitsbahnen quer durch die Wüste, die Wirtschaft boomt, und das alles natürlich, weil dort Einheit in jeder Hinsicht herrscht, ein Land, eine Sprache, eine Partei, eine einzige Gewerkschaft!"

"China? Alexander, das ist doch eine Diktatur!"

"Meine Güte, Dimitrij, wer heute mehr Geld verdienen will, muss halt Kompromisse machen. Fortschritt durch Einheit, Volksherrschaft durch Diktatur, das ist fernöstliche Philosophie, Ying und Yang!"

"Alexander, auf Deine Tarifeinheitsdiktatur kann ich verzichten!" rief Dimitrij, jetzt ganz außer sich. Ja, er brach das Gespräch ab und zog kopfschüttelnd vondannen.

Ich blieb allein an der Trinkhalle zurück, zornig und enttäuscht: Was ist das für ein Land, wo niemand mehr Unternehmergeist zeigt, wo die Leute sich untereinander nur streiten und streiken wollen und Einheit nichts gilt? Ich habe sogar gehört, dass die Krawallbrüder der kleinen Gewerkschaften das Gesetz zur Tarifeinheit vor dem Verfassungsgericht anfechten wollen. Unerhört! Ein Gesetz einfach für unwirksam erklären, wie effizient ist denn so etwas? Was denken eigentlich diese Verfassungsrichter, wer sie sind, dass sie einfach demokratisch und von großer Parlamentsmehrheit gefasste Gesetze aufheben können? Sind sie nietzscheanische Übermenschen, die der Demokratie ihre Vision der Welt diktieren können? Wie volksdemokratisch ist das denn?

Da kam mir eine Idee: Ich werde eine eigene Partei gründen, eine Initiative, die für mehr Einheit kämpft. "Einheit für Deutschland", die EfD! Wir werden die Idee der Einheit in die Gesellschaft tragen, damit dieses Land vorankommt! Mit einem Gesetz zur gedanklichen Einheit, dass die Leute und auch die Familien in diesem Land dazu verpfllichtet, überall, aber besonders auch zuhause in Einheit zu leben und zu denken! Und wer mit seinen abweichenden Meinungen in der Minderheit bleibt, hat sie einzustellen oder wird ausgebürgert!

Widersprechen Sie nicht. Denn die Zukunft heißt: Einheit für alle und jeden!

Alexander Alexandrowitsch Blog



*Seinerzeit an der renommiertesten Journalistenschule der Welt, der MGU

**Vom Journalisten zum Lokführer, das ist längst ein Trend, siehe z.B. "Christian Linow hat nach dem Volo keine Redakteursstelle bekommen - und wurde Lokführer - in "Lokführer aus Stuttgart Was vom Traumberuf geblieben ist", Bericht von Julian Illi in der Stuttgarter Zeitung vom 19. November 2014 , http://bit.ly/1xUq4ha - oder auch hier: Freier Journalist wurde Tramfahrer, weil er sich nicht für PR verkaufen wollte: Interview im "BJV-Report": http://ow.ly/DrGUV

***Für Leser einer späteren Epoche: Ein gewisser Weselsky**** war zur Zeit, als dieser Beitrag verfasst wurde, der Chef der Lokführer, ein grimmig bebarteter Bursche von hünenhafter Gestalt

****Es wurde schon öfter gefragt, warum unsere Beiträge eigentlich immer nur von Russen bzw. Personen aus dem slawischen Kulturraum handelt, aber auch am Herrn Weselsky zeigt sich, die wahren Troublemaker und die wirklich unterhaltsamen Menschen kommen eben von östlich der Elbe!


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