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19. August 2019
AKK-Interview

Druckreif sprechen

Annegret Kramp-Karrenbauer hat wieder ein Interview gegeben. Diesmal kam CDU-Rechtsaußen Hans-Georg Maaßen darin vor. Die Äußerungen der Parteichefin waren so eindeutig-verschwurbelt, dass viel Zeit für das Zurückrudern aufgewendet wurde. Haben gar die Journalisten AKK falsch interpretiert?

Kramp-Karrenbauer: "Keinen Rücktritt gefordert." Foto: CDU

Dass sich Annegret Kramp-Karrenbauer zu aktuellen politischen Fragen äußert, verlangt ihr Amt als CDU-Parteivorsitzende von ihr. Und, keine Frage, die Journalisten versuchen natürlich auch, etwas aus ihr herauszukitzeln. Das ist den Kollegen der Funke-Mediengruppe gelungen. Das Thema war ein heißes Eisen, nämlich der CDU-Rechtsaußen und Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen, der für die stockkonservative Werteunion auftritt und in Sachsen Wahlkampf macht.

 

Kramp-Karrenbauer hätte sagen können, dass sie in manchen politischen Fragen anderer Meinung ist als Maaßen, aber sein Engagement für die CDU in Sachsen toll findet. Über diesen Satz hätte sich niemand aufgeregt. Gesagt hat sie stattdessen: "Es gibt aus gutem Grund hohe Hürden, jemanden aus einer Partei auszuschließen. Aber ich sehe bei Herrn Maaßen keine Haltung, die ihn mit der CDU noch wirklich verbindet." Und weiter: "Die CDU ist auch eine Partei, die von einer gemeinsamen bürgerlich-konservativen Haltung getragen wird. Eine Politik unter dem Deckmantel der CDU zu machen, die den politischen Gegner vor allem in den eigenen Reihen sieht, wird dieser Haltung nicht gerecht." Rums. Das hatte gesessen. Das wurde als Beinahe-Ankündigung eines Parteiausschlussverfahrens von Hans-Georg Maaßen aus der CDU verstanden.

 

Aber nein, das hatte sie doch gar nicht gesagt: "Ich habe weder im Interview noch an anderer Stelle ein Parteiausschlussverfahren gefordert", ließ sich die CDU-Chefin am Sonntag vernehmen. Also alles von den Journalisten überinterpretiert? Wohl kaum, ihre Worte waren deutlich.

 

Um weiteren Schaden von sich abzuhalten, sollte AKK bei künftigen Interviews die gewünschte Interpretation gleich mitliefern. Das wäre zwar ein bisschen speziell, aber risikoarm. Die Alternative wäre, druckreif zu sprechen. Doch diese Fähigkeit ist in der Politik nicht weit verbreitet.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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