Deutscher Journalisten-verbandGewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten
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08. Oktober 2019
TV Spielfilm

Kahlschlag in der Redaktion, Dienstleister übernimmt

Betriebsratsvorsitzender Kai Nungesser (Foto: Stefan Endter)

„Burda und Funke bauen ihre Zusammenarbeit aus“ – meldete die Hubert Burda Media Group am 24. Juli. In zehn Zeilen wird verkündet, dass die beiden Verlagsunternehmen ihre bestehende Zusammenarbeit ausbauen. „Burda übergibt die Produktion redaktioneller Inhalte der Zeitschriften TV Spielfilm, TV Today und TV Schlau in weiten Teilen an Funke als externen Dienstleister. Die redaktionelle Hoheit und die Verantwortung für die Markenführung bleiben bei Burda.“ Was dies für die Menschen bedeutet, die bisher mit ihrer redaktionellen Arbeit TV Spielfilm über viele Jahre hinweg zu einem – auch wirtschaftlich – überaus erfolgreichen Blatt gemacht haben, wird im letzten Satz der Pressemitteilung angedeutet: „Für die 53 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von der Entscheidung betroffen sind, werden möglichst sozialverträgliche Lösungen gefunden.“

 

Im Klartext: Die komplette Redaktion einschließlich des Chefredakteurs wird entlassen. Bereits im Januar hatte Burda mit der Entlassung der Fit for Fun-Redaktion für Schlagzeilen gesorgt. Auch für dieses Blatt werden die redaktionellen Inhalte nun von einem Dienstleister produziert. Dieses Konzept setzt Burda jetzt bei TV Spielfilm um – die Kündigungsschutzverfahren bei Fit for Fun sind noch nicht einmal abgeschlossen (Seite 17 dieser Ausgabe). Damit ist vom ehemals stolzen Verlag Milchstraße, den Burda 2004 kaufte, nicht mehr viel übrig. Schon im Jahre 2010 hatte sich der Jahreszeiten-Verlag entschieden, die schreibenden Redakteurinnen und Redakteure zu entlassen. Lediglich kleinere Blattmacher-Teams blieben – die Inhalte kamen von Dienstleistern.

 

Dieses Beispiel hat in der Praxis gezeigt, dass das Auslagern redaktioneller Kernkompetenz an Dienstleister wirtschaftlich und publizistisch hohe Risiken mit sich bringt. Die Beschäftigten der TV Spielfilm verlieren ihren Arbeitsplatz und müssen sich angesichts der Situation auf dem Hamburger Medien-Arbeitsmarkt auf den Bezug von Arbeitslosengeld einstellen. Wie sehen die von Burda angekündigten sozialverträglichen Lösungen aus? Der zwischen Betriebsrat und Unternehmen ausgehandelte Sozialplan sieht eine Abfindung in Höhe von 0,45 Gehältern pro Beschäftigungsjahr vor. Die Abfindung wird auf maximal 60.000 Euro begrenzt. Hinzu kommen Zuschläge für Kinder, Schwerbehinderte und aus Härtefonds-Mitteln. Ebenfalls vorgesehen sind wahlweise eine Transferagentur und eine Transfergesellschaft. Die Betroffenen müssen die Kosten dieser Transfergesellschaft durch Verzicht auf Kündigungsfristen weitgehend selbst tragen. Bei vielen herrscht Fassungslosigkeit und Enttäuschung. Sie haben jahrelang für publizistisches Ansehen und wirtschaftlichen Erfolg gesorgt. Nun werden sie entlassen und müssen ihre Transfergesellschaft noch überwiegend selbst finanzieren. Betriebsratsvorsitzender Kai Nungesser: „Gewinne sackt man gerne ein, aber beim Rauswurf gibt Burda nur ‚Lousy Pennies‘. Ein Konzern, der für 2017 und 2018 jeweils mehr als 2,6 Milliarden Euro Umsatz ausweist, sollte mehr soziale Verantwortung zeigen.“

                           Text und Foto: Stefan Endter


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