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01. August 2019
Medienschelte

Von wegen Einheitsbrei

Der frühere Chefredakteur der Bild-Zeitung Kai Diekmann hat heftige Kritik an den Medien geübt. "Einheitsbrei" und "Mainstream-Journalismus" lauten seine Vorwürfe. Liest der Mann seine frühere Zeitung nicht mehr?

Kai Diekmann: Eigenes Blatt vergessen? Foto: DJV

"Man muss ehrlich sagen: Wir haben insgesamt in vielen Redaktionen in einer Wahrnehmungs-Blase gelebt. Es gibt manchmal einen Meinungseinheitsbrei in den deutschen Medien, der ist nur schwer zu ertragen. Und immer, wenn wir uns dessen überführt fühlen, geißeln wir uns – um danach genauso weiterzumachen." Starke Worte, die Ex-"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann via Märkische Allgemeine seinen früheren Kollegen entgegen schleuderte. Ja, frühere Kollegen, denn Diekmann ist kein Berichterstatter mehr, sondern Agenturchef. Gut im Geschäft soll er mit seinem Laden sein, ist zu hören. Da muss man im Gespräch bleiben. Und was liegt näher als ein Interview mit kernigen Botschaften?

 

Als Beleg für seine These führt er das Trump-Bild der deutschen Journalisten an. Weil "Trump-Bashing ja auch so wundervoll gut ankommt und einfach ist, kommen die meisten gar nicht mehr dazu, den Grund seines Wahlerfolges zu verstehen", sagt er. Richtig ist, dass Donald Trump in deutschen Medien überwiegend kritisch gesehen wird. Richtig ist aber auch, dass es in den Monaten nach seiner Wahl zum US-Präsidenten eine Vielzahl analytischer Beiträge in deutschen Medien dazu gab, was in der amerikanischen Gesellschaft passiert ist, damit Trump mehrheitsfähig wurde.

 

Schon möglich, dass Kai Diekmann vor lauter Agenturgeschäft keine Zeit fand, diese Artikel zu lesen und Fernsehberichte zu gucken. Kann man ja verstehen. Wenn der Kunde ruft, muss die Zeitungslektüre warten. Aber dass er selbst sein eigenes Blatt nicht mehr zur Kenntnis nimmt, ist skurril. Täte er es, so wüsste er, dass Deutschlands meistverkaufte Zeitung das schlagende Argument gegen den angeblichen Mainstream-Journalismus und medialen Einheitsbrei ist. Darin ist sein Nachnachfolger Julian Reichelt Spitzenklasse.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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