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Das Exempel von Naomi Osaka

01.06.2021

Tennisstar Naomi Osaka hat die Konsequenzen aus ihrer Weigerung gezogen, mit Rücksicht auf ihre psychische Gesundheit nicht an der obligatorischen Pressekonferenz teilzunehmen. Die Reaktionen auf ihren Schritt sind zum Teil beängstigend.

Naomi Osaka: mutiger Schritt. Foto: Christian Hartmann Reuters

"Weichei", "absolut privilegiert" - so lauten noch die zurückhaltenderen Kommentare auf Naomi Osakas Weigerung, sich den Fragen der Medienvertreter zu stellen. Aber es gab auch die genauso harschen Reaktionen von der anderen Seite, die in einer Pressekonferenz ein Haifischbecken sahen. Dazwischen gab es nur wenig und das ist das eigentlich Erschreckende an der Auseinandersetzung: Die Art der Diskussion verlief genauso wie bei allen kontroversen Themen in den Social Media, egal ob im Sport oder in der Politik. Es gibt fast nur noch schwarz oder weiß, grell ausgeleuchtet.

Dabei hat Naomi Osaka deutliche Hinweise gegeben, dass sie keinen Generalangriff auf die Medien führen wollte, sondern dass sie das gesamte Reglement des Profi-Tennis für menschenverachtend hält. Klar hat sie auch gesagt, dass sie nichts gegen Journalisten habe, sich mit einigen von ihnen sogar gut verstehe. Doch diese Zwischentöne gingen zunächst unter, sollten nicht gehört werden.

In der Tat muss kritisch hinterfragt werden, ob Spitzensportler kurz nach einem Match bereits Fragen von Journalisten ausgesetzt werden müssen - vor allem dann, wenn sie gerade eine krachende Niederlage eingefahren haben. Aber diese Regeln werden nicht von den Journalisten gemacht, sondern von den Spitzenverbänden des Profi-Sports. Und dort gilt es schließlich auch, die Interessen der Sponsoren zur Geltung zu bringen. Die Verbände haben jetzt ihre Hausaufgaben zu machen. Denn Naomi Osakas Mut, über eigene Ängste offen zu sprechen, finden vielleicht auch noch andere Sportler.

Ein Kommentar von Hendrik Zörner

 

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