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Das ist Journalismus

04.08.2022

Die Recherchen einer jungen Journalistin führten dazu, dass sich eine Landesbank vom geliebten Claiming der Nachhaltigkeit verabschieden musste. Wer jetzt noch meint, Journalismus sei überflüssig, hat irgendwas nicht verstanden.

Holzplantage: Nah am Greenwashing. Foto: Regenwald.org

Hannah Knuth, noch keine 30 Jahre alt und Redakteurin bei der Zeit, nahm sich ein Trendthema vor. Sie recherchierte, was an der behaupteten Klimaneutralität der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) dran ist. Die Bank behauptete, seit 2021 vollständig klimaneutral zu wirtschaften. Eine tolle, eine zeitgemäße Botschaft. Wie die Bank das schafft, nahm Knuth genauer unter die Lupe - und fand heraus, dass hinter der Werbebotschaft die Substanz fehlte. Der Verdacht des Greenwashing lag auf der Hand. Denn die LBBW investierte in einen Fond, der erhebliche Geldmittel in Holz steckte. Das war aber nicht das Bäumepflanzen, mit dem sich die größten Klimasünder reinzuwaschen versuchen. Das Geld fließt vielmehr in Holzplantagen. Und die sind von Klimaneutralität tatsächlich meilenweit entfernt.
Die Recherchen von Hannah Knuth nahmen ein verblüffendes Ende: Anstatt alles abzustreiten und aggressive Rechtsvertreter von der Leine zu lassen, gestand die LBBW unumwunden ein, dass sie ein Problem hatte. Seitdem verzichtet die Bank auf den Slogan "klimaneutral". Ohne die Arbeit der Kollegin wäre es dazu wahrscheinlich nicht gekommen.
Da sage noch einer, Journalismus sei verzichtbar. Ist er nicht, wenn wir nicht auf wohlklingende Werbebotschaften von wem auch immer hereinfallen wollen.
Ein Kommentar von Hendrik Zörner

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