Deutscher Journalisten-verbandGewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten
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30. Oktober 2015
Studie über junge Journalisten

Unverbesserliche Weltverbesserer

Warum wollen junge Leute Journalisten werden? Um die Welt zu verbessern.

Wenn sich Nachwuchs-Journalisten zu Bewerbungsgesprächen beraten lassen, bekommen sie häufig den Tipp, nicht anzugeben, dass sie mit ihrer Arbeit die Welt verbessern wollen. Die Wahrheit ist: In ihrem tiefsten Inneren wollen sie es doch! Das legt zumindest die Auswertung des zweiten Teils der Studie nahe, die der DJV gemeinsam mit der Technischen Universität Ilmenau durchgeführt hat. Dabei standen die journalistische und die unternehmerische Rollenidentität von jungen Journalisten im Fokus.

 

In der Wissenschaft werden drei Unternehmer-Typen unterschieden: Der Darwinist, der vor allem vom Geldverdienen angetrieben wird; der Kommunitär, der in einer Nische versucht, Sinnvolles zu tun und zu unterstützen; und der Missionar, dessen Motivation darin besteht, die Welt zu verbessern. Die Studie hat nun ergeben, dass sich Journalisten, insofern auch ein unternehmerisches Selbstbild vorhanden ist, klar der Gruppe des missionarischen Unternehmers zuordnen lassen. Vielleicht wäre es also ganz im Sinne der Authentizität, auch in Bewerbungsgesprächen zu dieser beruflichen Motivation zu stehen.

 

Was die journalistische Rollenidentität angeht, hat die Studie ergeben, dass die meisten der jungen Kollegen eher ein traditionelles Selbstverständnis haben. Das heißt zum Beispiel, dass sie es als ihre Aufgabe ansehen, Institutionen zu kontrollieren und Missstände zu kritisieren. Mehr als ein Drittel ist aber nicht einem traditionellen Selbstverständnis zuzuordnen, sondern hat ein innovatives Selbstbild: Sie sehen es als ihre Aufgabe an, neue Formate zu entwickeln, technische Möglichkeiten auszuprobieren und journalistische Aufgaben und Prozesse zu hinterfragen und neu zu interpretieren. Es liegt quasi auf der Hand, dass sich die innovativen Journalisten im Vergleich zu den traditionellen Kollegen eher vorstellen können, selbstständig oder unternehmerisch tätig zu sein.

 

Wenn Journalisten unternehmerisch tätig werden, sehen das die Befragten zwar für die Entwicklung des Berufs positiv, für die gesellschaftliche Funktion von Journalismus aber kritisch. Dieses Spannungsfeld ist tatsächlich nicht zu leugnen. Um beiden Anforderungen gerecht zu werden, gilt es, diesen Widerspruch bereits in der Ausbildung deutlich zu thematisieren und so dafür zu sorgen, dass journalistische Unternehmer moralisch integer handeln. Oder eben auch die Welt retten.

 

Kathrin Konyen<xml></xml>


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