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04. Februar 2020
Medienethik

Vermurkste Herkunftsnennung

Polizeidienststellen gehen dazu über, immer häufiger die ethnische Herkunft von Straftätern und Verdächtigen zu nennen. Auf die Journalisten kommt damit mehr Verantwortung zu.

Polizei: Ethnische Herkunft kein Tabu mehr. Foto: Welt.de

Wenn die ethnische Herkunft von Straftätern oder Verdächtigen von überwiegendem öffentlichem Interesse ist, sollten Redaktionen sie nennen. So sieht es kurz gesagt der Pressekodex vor. Was dieses überwiegende öffentliche Interesse nun genau ist, können wohl im Zweifel nur die Journalisten vor Ort feststellen.

 

Oder die Polizei? Das sollte sie besser nicht tun, weil das nicht zu ihren Aufgaben gehört. Die Sicherheitskräfte halten sich jedoch immer seltener zurück, wenn es um die Frage geht, woher ein Tatverdächtiger stammt. In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen will die Polizei künftig immer mitteilen, woher jemand kommt, der in Handschellen abgeführt wird. Und in München soll die Herkunft der Straftäter Eingang in den Polizeibericht finden, die im Zuge der großen Flüchtlingsbewegung seit 2015 in die bayerische Landeshauptstadt gelangten. Prost Mahlzeit, mögen da alle diejenigen sagen, die in den neuen Polizeiregelungen Futter für Rassisten und Nazis sehen.

 

Wie gehen Journalisten damit am besten um? Kaum vorstellbar ist, dass auch in Zeitungen, Radio- und Fernsehberichten eins zu eins das wiedergegeben wird, was in den Polizeimeldungen steht. Zumal Pressemitteilungen der Polizei niemals per Copy & paste ungeprüft zu Zeitungsmeldungen mutieren dürfen. Journalistische Sorgfalt gebietet neben der Recherche auch die Einhaltung des Pressekodex. Und der verbietet nach wie vor ausdrücklich die Diffamierung und Vorverurteilung von Menschen durch die Medien. Das muss auch so bleiben!

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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