Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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Nicht nur für VolontärInnen

Bewerbungs-Tipps

07.06.2017

Nachdem wir letzte Woche die Ausbildungsleiterin der Nürnberger Nachrichten, Gudrun Bayer, gefragt haben, worauf sie bei Bewerbungen achtet, kommt diese Woche Juliana Lutz vom Ebner-Verlag zu Wort.

Juliana Lutz.

 

Juliana Lutz ist bei Ebner, einem Fach- und Special Interest Verlag, zuständig für Human Resources und Public Relations. Vom diesem Verlag ist derzeit deshalb viel die Rede, weil sich dieser traditionelle Verlag im Rahmen der digitalen Transformation gerade neu erfindet. Bei den Bewerbungen von Volontärinnen und Volontären wird allerdings auch viel auf traditionelle Werte geachtet, erfahren wir. Spannend sind die Antworten nicht zuletzt deshalb, weil teils auf andere Faktoren Wert gelegt wird als bei den Nürnberger Nachrichten.

 

 

 

Liebe Frau Lutz, erst einmal vorab: Wie viele VolontärInnen stellen Sie jährlich ein?

 

Juliana Lutz: In den letzten zwei Jahren haben wir insgesamt 29 Volontäre, Trainees und Transaction Editors an den weltweit 19 verschiedenen Standorten des Ebner Verlags eingestellt. Seit drei Jahren gibt es bei uns diese neue Jobbezeichnung: Transaction Editors. Wir stellen also keine Journalisten mehr ein, sondern Transaction Editors. Diese müssen nicht nur dafür sorgen, dass guter Content unterhält und zielgruppengerecht informiert, sondern auch dafür, dass er überhaupt gefunden wird. Die Stellen für alle Standorte werden bei uns zentral ausgeschrieben, werden dann aber an die Zielgruppenmanager an den jeweiligen Standorten weitergeleitet. Jeder Bewerber bekommt bei uns eine Eingangsbestätigung und dann gegebenenfalls auch eine Absage, wenn er nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird. Das läuft direkt über den Zielgruppenmanager.

 

Wie sollten Anschreiben und Lebenslauf aussehen?

 

Juliana Lutz: Die Bewerbung inklusive Anschreiben sollte maximal fünf MB groß sein. Die Betreffzeile muss fett sein, alles muss ein einheitliches Layout im Hochformat haben. Der Lebenslauf muss natürlich lückenlos sein. Anschreiben und Lebenslauf gehören am Schluss unterschrieben. Damit signalisiert der Bewerber, dass alles seine Richtigkeit hat. Das Anschreiben muss natürlich zur Stellenanzeige passen, verständlich und auf das Wesentliche konzentriert sein. Lange Schachtelsätze sollten vermieden werden. Wenn in der Stellenausschreibung zum Beispiel gefragt ist, ob ein Führerschein vorliegt, dann gehören auch diese Angaben in die Bewerbung. Auch der Gehaltswunsch gehört in die Bewerbung, damit direkt klare Verhältnisse herrschen. Es muss aus dem Text deutlich hervorgehen, warum der/die Kandidat/in geeignet ist und welche Motivation der/die Kandidat/in mitbringt. Die Bewerbung sollte aus der Masse herausstechen. Gut kommt an, wenn die Bewerber/innen beispielsweise ein Bewerbungsvideo drehen und damit gleich ihr Talent dafür unter Beweis stellen. Der Umgang mit der Kamera ist schließlich auch für den Job als Transaction Editor wichtig, zum Beispiel wenn sie auf Messen sind und darüber berichten sollen. Das Bewerbungsvideo kann der/die Bewerber/in einfach auf YouTube einstellen und uns den Link in der Bewerbung schicken. Zum Layout: Es gibt auch ganz gute Word-Vorlagen, die dafür verwendet werden können. Eine kluge Designwahl ist natürlich von Vorteil. Man sollte die Gestaltung aber nicht übertreiben.  

 

Brauchen Bewerber eine eigene Domain?

 

Juliana Lutz: Eine eigene E-Mail-Domain ist nicht zwingend nötig. Wenn es eine gibt, dann sollte sie aber seriös sein. Eine eigene schöne Webseite schadet natürlich auch nicht, ist aber kein Muss.

 

Welche Rolle spielen Bewerbungsfoto und Aussagen zum Familienstand?

 

Juliana Lutz: Das Foto ist kein Muss mehr. Wir würden eine Bewerbung nicht aussortieren, wenn kein Foto enthalten ist. Aber ein Foto im Lebenslauf oben rechts oder auf dem Deckblatt rundet die Bewerbung ab. Persönliche Angaben, also Kontaktdaten und Geburtsdatum, sind nötig, Staatsangehörigkeit und Familienstand sind aber freiwillig. 

 

Welche Zeugnisse sind nötig?

 

Juliana Lutz: Bei Volontariatsbewerbungen wollen wir Studien- und Abizeugnisse sehen. Die Zeugnisauswahl hängt natürlich immer von der Berufserfahrung und der jeweiligen Vakanz ab. Wenn jemand schon 20 Jahre Berufserfahrung hat, ist das Abizeugnis nicht mehr nötig. Da ist einfach gesunder Menschenverstand gefragt.

 

Welche Bewerbungen werden gleich aussortiert?

 

Juliana Lutz: No-Gos sind unvollständige Bewerbungen, ein Lebenslauf mit Lücken oder eine falsche bzw. unübersichtliche Anordnung. Aussortiert werden auch Bewerbungen, bei denen man gleich sieht, dass die Qualifikationen nicht zur Stelle passen. Grammatik und Orthographiefehler in der Bewerbung sind auch inakzeptabel.

 

Sehen Sie sich die Social Media Profile der BewerberInnen an?

 

Juliana Lutz:  Wir schauen uns an, wie sich jemand auf Xing, LinkedIn und Twitter präsentiert. Schließlich sind für unsere Transaction Editors diese Kanäle wichtig. Sie sollen sie – neben anderen Social Media Kanälen - als Marketing Touchpoints nutzen. Bei Facebook haben wir die Erfahrung gemacht, dass  die meisten Accounts auf privat gestellt sind und somit nur das Profilbild sichtbar ist.

 

Sollte man Referenzen angeben?

 

Juliana Lutz: Bisher wurden selten Namen von Kollegen als Referenz mit angegeben. Das finden wir aber nicht schlecht, wenn das jemand macht. Auch achten wir hierbei auf die Empfehlungen bei LinkedIn, die zu den Skills von Personen aus dem eigenen Netzwerk abgegeben werden können.

 

Was ist beim Bewerbungsgespräch wichtig?

 

Juliana Lutz: Beim Gespräch sollte der Bewerber authentisch wirken, gut vorbereitet sein und auch eigene Fragen zum Unternehmen haben. Wir achten darauf, ob er eine offene Körperhaltung hat oder sich eher abweisend verhält. Auch der Händedruck ist wichtig. Er sollte nicht zu lasch und nicht zu fest sein. Last but not least sollte der Bewerber natürlich freundlich sein. Positiv ist, wenn jemand Schreibzeug dabei hat um sich Notizen zu machen. Wir wollen, dass Bewerber viele Fragen stellen, daran sieht man, wie stark das Interesse an der Stelle ist. Einmal hat uns ein Kandidat nicht von sich aus die Hand gegeben. Das war ein No-Go. Es sollte auch das Selbstbewusstsein da sein, den Personalern in die Augen zu schauen. Die Kleidungswahl war bisher immer angemessen.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Das Interview führte Eva Werner.

 

 

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