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FDP lernt schnell - nur vom Falschen

28.07.2021

Die FDP Hessen hat Journalistenfragen vor der Veröffentlichung auf ihre Homepage gestellt. Ein klarer Verstoß gegen das Redaktionsgeheimnis. Ein ähnliches Schurkenstück hat sich vor Kurzem die Pressestelle des Bundesgesundheitsministers geleistet.

Jens Spahn: kein PR-Vorbild. Foto: BMG Maximilian König

Welche Verbindungen bestehen zwischen einem dubiosen AfD-Berater und der FDP? Das wollten Journalisten der "Zeit" und ihrer Recherchepartner WDR und NDR wissen. Angefragt wurden der Bundesvorsitzende Christian Lindner, mehrere Landtags- und Bundestagsabgeordnete der Partei und die hessische Landes-FDP. Die hatte daraufhin nichts Besseres zu tun, als die Fragen der Journalisten unabgesprochen auf ihrer Homepage zu veröffentlichen. "Um die in den Fragen genannten Personen aus unseren Reihen zu schützen, sind ihre Namen unkenntlich gemacht", heißt es da. Begründet wird die Veröffentlichung mit "Transparenz".

Knud Zilian, 1. Vorsitzender des DJV Hessen, schäumte: Die Landes-FDP müsse "diese undemokratische Praxis sofort beenden" und zum Schutz von Recherchen "als existentiellem Bestandteil der Pressefreiheit zurückkehren".

Dass die Veröffentlichung von Journalistenfragen nicht Transparenz, sondern eine Sauerei ist, bekam erst vor anderthalb Monaten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu spüren. Dessen Pressestelle hatte ebenfalls Fragen der "Zeit" öffentlich gemacht - allerdings nur gegenüber Journalisten anderer Medien. Das war schlimm genug. Jens Spahn bekam daraufhin viel Berichterstattung - aber nicht gerade die, die er sich wünschte.

Wenn die hessische Landes-FDP die eigenwillige Öffentlichkeitsarbeit des Berliner Ministers zum Vorbild hat, tut sie sich keinen Gefallen. Sie muss vielmehr damit rechnen, dass Journalisten anderer Medien jetzt erst richtig zu recherchieren beginnen. Dann muss die FDP verdammt viel Transparenz herstellen. Geschieht ihr recht.

Ein Kommentar von Hendrik Zörner

 

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