Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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Vielfalt in den Medien

Handbuch für Diversity

18.03.2021

Eine Anleitung für mehr Diversität in Medienunternehmen und in der Berichterstattung. Braucht es das?

"Diversity-Guide" der Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM). Screenshot: DJV.

Die Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM) haben einen Diversity-Guide veröffentlicht, laut eigener Aussage die erste Publikation dieser Art für deutsche Medienhäuser. In dem Werk wird erklärt, weshalb Vielfalt Chef*innensache ist, Diversity-Checklisten werden angeboten, eine 30 Prozent-Quote für Journalist*innen aus Einwandererfamilien, für Schwarze Journalist*innen und Medienschaffende of Color gefordert. Außerdem enthalten sind Best-Practice-Beispiele, eine Anleitung für eine inklusive Redaktionskultur und Gastbeiträge, etwa von ProQuote Medien.

 

Ist so ein Handbuch für Medienunternehmen wirklich notwendig, bei allen jetzt schon vorhandenen Bemühungen der Medienunternehmen für mehr Vielfalt? Oh ja! Das hat alleine die unsägliche WDR-Talkshow „Die letzte Instanz“ als eindrückliches Beispiel erst vor kurzer Zeit gezeigt. An so einer Fernsehproduktion sind viele Mitarbeitende beteiligt – anscheinend fiel aber niemandem auf, das diese Herangehensweise an das Thema Rassismus eine sehr schlechte Idee war. Oder diese Meinung konnte sich zumindest nicht durchsetzen. Und die Liste ließe sich beliebig fortführen.

 

Es braucht so ein Handbuch, es braucht den immer wiederholten Hinweis auf die Notwendigkeit der Weiterentwicklung, es braucht die Diskussion und vielleicht auch mal die Provokation und den Streit. Vor allem braucht es aber Vielfalt, gerade im Journalismus.

 

„Journalismus prägt den öffentlichen Diskurs, wir sind zur Meinungsbildung da“, so NdM-Geschäftsführerin Konstantina Vassiliou-Enz. Je einheitlicher die Redaktionen aufgestellt sind, desto schwieriger sei es, vielfältige Perspektiven einzubringen oder Vorurteile in der Berichterstattung zu vermeiden. Sven Gösmann, Chefredakteur der Deutschen Presseagentur (dpa), betonte bei der Vorstellung des Handbuchs, die Medien hätten die Verantwortung, „die Gesellschaft so abzubilden, wie sie ist, und nicht so zu beschreiben, wie sie war.“ Noch seien die Strukturen aber „sehr so, wie die Gesellschaft mal war“.

 

Schade nur, dass es das Handbuch nicht öffentlich zugänglich gibt. Die NdM stellen es Medienhäusern erst zur Verfügung, nachdem die Chefredaktionen oder Intendanzen ihnen eine Stunde Zeit einräumen, in der sie erklären können, „warum Diversity Chef:innensache ist“.

 

Ein Kommentar von Paul Eschenhagen

 

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