Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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Nerd-Journalismus

17.09.2013

Was Journalisten von Programmierern lernen können (und umgekehrt)

Julius Tröger bei Propublica

Julius Tröger bei Propublica

Das Panel “Nerd-Journalismus” (Moderation: Anna-Maria Wagner) befasste sich mit redaktionellen Bereichen, die Journalismus und Programmieren verbinden. Julius Tröger, Online-Redakteur und Datenjournalist bei der Berliner Morgenpost, stellte zunächst seinen Werdegang als “Nerd” vor. Er habe sich schon immer für Computer interessiert.  2011 fing er bei der Berliner Morgenpost an, datenjournalistische Projekte wie den Flugroutenradar  (Berliner Morgenpost) auszuprobieren. Seine Motivation:”Einfach mal machen!”. Der Arbeitsaufwand für derartige Projekte sei sehr groß und neben der regulären Tätigkeit in der Onlineredaktion nur schwer umzusetzen. Aber: Die Nachfrage steige, die Redaktionen sollten Redakteuren, die sich für Datenjournalismus interessieren, Freiräume gewähren. Während eines mehrmonatigen Pratikums 2012 in den USA bei Propublica und beim Guardian US vertiefte Tröger die Grundlagen und Kenntnisse im Datenjournalismus. Sein Fazit: Nicht nur die Programmierer sind dort die “Nerds”, sondern auch Journalisten, die Geschichten hinter den Zahlen erkennen und Ideen für eine visuelle Umsetzung haben. Das Praktikum wurde von Propublica im Rahmen eines Stipendiums gefördert.

 

Sascha Venohr, Head of Data Journalism bei Zeit Online, sieht den großen Vorteil  datenjournalistischer Projekte z.B. einer Analyse der Wählerwanderung in dem “hohen Wahrhaftigkeitswert”. Für ihn gehöre der Erfolg für guten Journalismus nicht mehr nur den Journalisten. Programierer und Designer seien ebenfalls essentielle Autoren im Storytelling. So plädiert Venohr für Redaktionen mit einem starken Team aus Redakteuren, Programmierern und Designern, die relativ schnell visuelle Umsetzungen und Geschichten zu aktuellen Themen liefern können. Im Newsroom bei Zeit Onlineredaktionen sitzen Entwickler und Designer dementsprechend in der Mitte. Damit die Arbeitsabläufe funktioniere, bedürfe es einem gegenseitigen Verständnis. Journalisten müssten nicht nur die Muster und Geschichten hinter Zahlen erkennen, sondern auch den Aufwand datenjournalistischer Projekte wie  richtig einschätzen. Die Programmierer müssten lernen, wie man Geschichten zu Ende erzählt.

 

Eine Möglichkeit Programmierer und Journalisten zusammenzubringen bieten die von Zeit Online in Berlin organisierten Hacks/Hackers-Treffen.
Einen theoretischen Exkurs über den Nerd-Journalismus aus eher technischer Sicht bot Christoph Kappes, Fructus GmbH. Der Nerd-Journalist sei die “Schnittstelle” zwischen Programmierung und Journalismus. Er sei eine “soziotechnische Einheit zwischen Mensch und Maschine”, der den Informationsstrom mit einer Maschine steuere. Programmierung und Journalismus haben Unterschiede und Gemeinsamkeiten: So produzierten etwa Journalisten “Aussagen”, Programmierer “Befehlsfolgen für Maschinen”. Andererseits gebe es aber auch bei den beiden Feldern eine Verbindung von Formalem und Kreativem und die Fähigkeit, Informationen zunächst aus ihren Kontexten zu lösen und sie in neue Kontexte zu stellen. Vor allem Journalisten könnten auch von den Prozessen der Programmierer lernen, etwa das Arbeiten im Team, eine höhere Fehlertoleranz und das Schreiben als Prozess.

 

Von Patrick Wiermer

130916_DJV_BO-Nerdjournalismus.pdf
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