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Rettung der Branche mit Hilfe von Unternehmens-Stiftungen?

27.03.2018

Medienkritiker Frühbrodt fordert: "Journalismus sollte zum integralen Bestandteil der Corporate Social Responsibility von Unternehmen gehören, unabhängig von ihrer Branche."

Ist der deutsche Journalismus noch zu retten?, fragt der Medienkritiker Lutz Frühbrodt diese Woche zunächst provokativ auf Carta. Dem lässt er die Frage folgen, inwieweit Stiftungen diese Rolle übernehmen können. Er führt Correctiv als bekanntestes deutsches Beispiel für stiftungsfinanzierten Journalismus an, das weiter als Vorzeigeprojekt gelte. Insgesamt fördern seinen Recherchen zufolge aktuell nur 85 Stiftungen in Deutschland Journalismus. Damit, so Frühbrodt, sei die stiftungsbasierte Finanzierung "sehr weit davon entfernt, zu einer tragenden Säule des Journalismus in Deutschland zu werden."

 

Der mit Abstand größte Anteil an Stiftungsträgern seien Einzelpersonen und Familien, die sich aus ihrem Unternehmen zurückgezogen hätten oder bereits verstorben seien. Nur wenige Stiftungen branchenferner Unternehmer träten als Journalismus-Förderer auf. Für Frühbrodt gibt es da noch viel Potential: "Wenn es Unternehmen mit ihrem Bekenntnis zur gesellschaftlichen Verantwortung wirklich ernst meinen und ihre Stiftungen zum Beispiel wie die Schöpflin Stiftung die Förderung des demokratischen Gemeinwesens auf die Fahne schreiben, dann könnte und sollte die so genannte vierte Gewalt auch dazu gehören. Journalismus sollte zum integralen Bestandteil der Corporate Social Responsibility von Unternehmen gehören, unabhängig von ihrer Branche." Dabei sei natürlich klar, dass Vorkehrungen getroffen werden müssten, wenn sich Journalisten von Stiftungen finanzieren lassen. Transparenz und klare Zielvereinbarungen seien unabdingbar. Inhaltliche Einflussnahme sei auszuschließen. Gleichzeitig fordert Frühbrodt, dass die Stiftungen, die sich aktuell in dem Bereich engagieren, ihre Aktivitäten überdenken, gegebenenfalls neu ordnen müssen.

 

Frühbrodt hat damit absolut Recht. Wir brauchen dringend mehr und bessere Förderung von Journalismus durch Stiftungen in Deutschland. Da liegt großes Potential zur Weiterentwicklung der Branche. Es muss künftig viel mehr Organisationen wie Correctiv in Deutschland geben. Die Politik ist gefordert, diese Möglichkeit aktiv zu unterstützen.

 

Wer über eine Finanzierung seines eigenen journalistischen Projektes mit Hilfe von Stiftungen nachdenkt, dem sei übrigens unser Dossier "Wie Stiftungen Journalismus finanzieren können" empfohlen, das wir gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Stiftungen angefertigt haben.

 

 

 Ein Kommentar von Eva Werner

 

 

 

 

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