Deutscher Journalisten-verbandGewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten
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News für Freie

02. November 2018
Service

Mehr (gute) Aufträge durch (wieder einmal) eine Auftragsbörse?

Fragen an die Macher von QMEDIA

Wirbt unverdrossen für seine Auftragsbörse: Alexander Zündorf (rechts) auf der Kölner photokina-Messe im September 2018. Foto: Hirschler

Neue Aufträge durch eine Art Börse verspricht die Firma QMEDIA mit ihrem Angebot qmedia.press. Interessant: das Projekt will nur mit DJV-Mitglieder zusammenarbeiten. Und das, obwohl es mit dem der DJV in keiner vertraglichen Bindung steht. Wir haben daher einige Fragen an die Macher gestellt. Geantwortet hat uns Alexander Zündorf.

QMEDIA will eine Art Auftragsbörse für Freie sein, gleich ob Text, Bild, Audio oder Video. Besteht hier nicht die Gefahr, dass hier die UBER-isierung des (freien) Journalismus organisiert wird, d.h. durch extreme Marktstrategie Selbstausbeutung und Preisdumping gefördert werden?

Nein, diese Gefahr besteht nicht! Wir begleiten und optimieren den gesamten Prozess und zwar für beide Seiten. Dadurch ist es für niemanden möglich, „gewaltsam“ Preise zu beeinflussen. Die „Macht“ gehört allen.
QMEDIA ist eine neutrale und unabhängige Plattform, die nicht in den Markt eingreifen kann und auch nicht will. Uber ist konsumentenorientierten Massenmarkt aktiv und folgen deshalb anderen Gesetzen.

Zur Verdeutlichung: Wo sollte der qualitative Journalismus herkommen, wenn wir Journalisten „über den Tisch ziehen würden“? Umgekehrt: wo sollten die Aufträge herkommen, wenn wir die Auftraggeber „über den Tisch ziehen“ würden? QMEDIA würde scheitern.

Die Rahmenbedingungen sind eigentlich für alle Seiten sehr gut, die Potenziale konnten nur bisher nicht genutzt werden.

Welche Rahmenbedingen meinen sie?

Aus Sicht der Journalisten: Wir haben mit vielen Auftraggebern gesprochen. Hierbei haben wir viel mehr Solidarität gegenüber den Freien verspürt, als Rücksichtslosigkeit.

Ein gutes Beispiel hierfür ist das Buch „Liebe deine Freien“ von Mark Heywinkel. Obwohl es sich in erster Linie an „Auftraggeber“ richtet, ist es auch für Freie eine sehr interessante Lektüre und erweitert den Blick. Einfach mal runter laden (https://markheywinkel.de/project/liebe-deine-freien).

Auch erwähnenswert ist das Projekt „Fax“ von palast.hotel, das freie Journalisten mehr in den redaktionellen Kreativprozess einbinden wird.

Mit Beiden sind wir in engem Austausch um gemeinsam Synergien für alle zu heben.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das sich ändernde Konsumentenverhalten. Deloitte Media Consumer Survey 2018 „titelt“: „Analog und Digital ergänzen sich, Ende der Kostenlos-Kultur“. Der Anteil der Leser von E-Paper-Zeitungen und Zeitschriften ist innerhalb von zwei Jahren um rund 35 % gestiegen. Bei kostenpflichtigen Einzelartikeln liegt der Zuwachs bei 50 %...

Dieser Wandel kommt auch den freien Journalisten zugute. Es wird wieder mehr Geld verdient, welches in Qualität investiert werden kann. Das die Qualität wieder steigen muss, ist den Medienunternehmen absolut bewusst.

Also es passiert viel in die richtige Richtung, viel Gemeinsamkeit ist gegeben, viel Bereitschaft ist da

Es sind ja schon einige Auftragsplattformen gescheitert, so die Newsbörse oder DIEREDAKTION.de, immerhin ein Projekt der großen und reichen Post. Warum klappt Ihr Projekt?

Zunächst zeigen diese Projekte, dass grundsätzlich ein Bedarf da ist. Das Scheitern zeigt nur, das die bisherigen Ansätze nicht zielführend waren.

Nur einfach viel Geld reicht nicht, auch die alleinige Branchenexpertise nicht. Man muss auch wissen wie man Prozesse analysiert und sie optimiert. Dies gilt für alle Branchen.

Wir sind alle vielseitig interessiert und neugierig. Deshalb bringen wir viel Leidenschaft für guten Journalismus mit. Entscheidend hinzu kommen unser Prozessoptimierungs-Knowhow, technische Kompetenz und die kreative Flexibilität eines agilen Teams. Dies gepaart mit Branchenexperten von beiden Seiten, ist eine ganz andere Herangehensweise als es ein großer Konzern tun kann.

Deshalb ist QMEDIA keine profane Suchdatenbank oder Plattform zur Zweitverwertung von Texten und Bildern wie vergangene Portale. Mit den bisherigen Ansätzen konnten Probleme lediglich verschoben werden.

Bisher waren Recherchen und Kommunikation sehr zeitintensiv sowie nicht durchgängig und eine notwendige Prozessorientierung fehlte völlig. Dies hatte dann beispielsweise zur Folge, dass „industrielle Contentverwerter“ tausende Artikel, in z.T. sehr fragwürdiger Qualität, zu Billigpreisen in die Datenbanken spielten und einfach auf Masse gingen. Dadurch war das Image schnell zerstört und beide Seiten verloren ihr Interesse.

Bei uns ist so etwas schon rein technisch gar nicht möglich. Wir liefern für beide Seiten signifikante Mehrwerte über die gesamte Prozesskette und nicht nur „ich such mal was Billiges“. Viel eigenes Geld haben wir übrigens auch in QMEDIA gesteckt.

Was genau sind die größten Vorteile des Systems für Freie?

•    Kein Job geht mehr an ihm vorbei.
•    Er erhält spannende Anfragen von Auftraggebern die er zuvor nicht mal kannte.
•    Er kann seine Betriebs- / Reise- / Recherchekosten signifikant optimieren.
•    Für ihn entfällt das lästige Schreiben von Rechnungen und das Mahnwesen.

Bisher musste der Journalist mühevoll rumtelefonieren, Mails verschicken etc., und / oder warten bis sich jemand meldet. Zukünftig bekommt er eine Vielzahl von Jobanfragen, selbst von Auftraggebern die er bisher nicht kannte, auf dem Tablett präsentiert. Dadurch erhält er völlig neue Planungs- und Entscheidungsmöglichkeiten.

Und auch die Auftraggeberseite profitiert durch diese veränderte Marktsituation in vielen Bereichen. Eine WIN-WIN Situation.

Was hat der Auftraggeber davon?

Auch den Redakteuren / Medienunternehmen sind erhebliche Nachteile durch den Wandel von fest angestelltem Journalisten hin zu Freien entstanden.

Durch QMEDIA hat er wieder Zeit für Kreativität, Recherche und angenehme Gespräche mit den freien Journalisten zu führen.

Unternehmerisch betrachtet, wird die Qualität des Produktes erhöht und die ADMINISTTATIVEN Kosten im Hintergrund werden reduziert.

Keine aufwendigen und umständlichen Jobvergaben, zeitintensive Terminkontrollen mehr, und die lästigen Anstriche fallen auch weg.

Wie verhindern Sie Preisdumping?

Rein technisch kann es Diesen nicht geben. Es gibt bei QMEDIA kein „friss oder stirb“. Jeder Journalist kann frei entscheiden, ob er den Job haben will oder nicht, und zu welchen Konditionen! Will er den Auftrag, aber zu einem anderen Honorar, klickt er auf Gegenangebot und passt an.

Wir haben mit vielen DJV-Mitgliedern über dieses Thema gesprochen, auch dort gab es bisher keine klare Meinung hierzu. Letztendlich: der freie Journalist ist frei und soll auch frei seine persönliche Entscheidung treffen können.

Sollten sich dennoch akute negative Tendenzen abzeichnen, gibt es genug Möglichkeiten, die im Interesse aller Marktteilnehmer / beider Seiten, dem entgegen zu wirken.

Besteht nicht die Gefahr, dass einige wenige immer am schnellsten dabei sind, sich Aufträge abzugreifen, worunter die Qualität und letztlich die Reputation der Plattform leiden dürfte?

Dies Gefahr können wir ausschließen. Zum einen gleicht QNEDIA automatisch die gestellten Anforderungen und das Profil der Journalisten ab. So ist sichergestellt, dass nur passende Journalisten und Jobs zusammentreffen. Zum anderen wählt der Auftraggeber zwischen den Interessierten per Klick zur Auftragsbestätigung aus.

Einseitig Abgreifen geht also nicht. Außerdem verpflichtet sich der Journalist den Job gewissenhaft zu erledigen. Tut er dies nicht, wirkt sich dies unmittelbar für ihn negativ aus. Da wir vor Freischaltung jeden User prüfen, gehen wir von einem verantwortungsvollen Umgang aus.

Qualitative Reaktionsschnelligkeit / Engagement ist aber sicher nicht von Nachteil für jeden einzelnen Journalisten.

Freie müssen dauernd auf ihr Smartphone schauen, um Aufträge zu erhalten. Droht das nicht zu einer extremen Verunsicherung und auch psychischen Destabilisierung von freien Mitarbeitern, wenn sie ständig auf Pirsch und auf dem Sprung sein müssen?

Nein das müssen sie nicht! Der Journalist nimmt sich einmalig etwas Zeit um sein Profil einzutragen und seine Benachrichtigungen einzustellen. Danach funktioniert QMEDIA wie ein persönlicher Assistent. Er sagt per Email sofort Bescheid, wenn ein neuer interessanter Job angeboten wird, wenn eine neue Auftragsbestätigung eingegangen ist, usw. Egal ob er eingeloggt ist, oder nicht.

Was ist der Hintergrund Ihrer Firma, wie würden Sie die Finanzkraft beschreiben?

Wir kommen ursprünglich aus dem „klassischen“ industriellen Umfeld und haben dort prozessorientierte Software z.B. für die Automobilbranche entwickelt.

Wie es der Zufall manchmal will, kam ich während eines Weihnachtsmarktbesuchs mit Redakteuren und freien Journalisten zusammen. Jeder erzählte was er so macht und irgendwann kam die Frage auf, „kann man so etwas nicht auch für den Journalismus machen“. Meine Antwort war ja, und wir haben einfach gemeinsam losgelegt.

QMEDIA ist zu 98% eigenfinanziert. Hierdurch haben wir eine sehr hohe Unabhängigkeit, da wir keine großen Belastungen oder Verpflichtungen haben.

Wir haben an QMEDIA vier Jahre entwickelt und verfolgen eine langfristige Strategie.

Warum richtet sich das Projekt nur an DJV-Mitglieder? Ist das nicht unfair gegenüber Berufsanfängern, die nirgendwo Mitglied sind, weil das Geld fehlt?

Wir haben den Schwerpunkt auf den DJV gesetzt, da wir über die mittlerweile als mehrjährig zu bezeichnende Zusammenarbeit während der Realisierung, einfach sehr gute Erfahrungen mit dem DJV und ihren Mitgliedern gemacht haben. Der DJV steht für qualitativen Journalismus, Engagement für Qualität in den Medien und Innovationsbereitschaft. Zudem sagt ein DJV-Presseausweis etwas aus.

Grundsätzlich ist aber jeder professionelle Journalist herzlich willkommen. Wir müssen ihn nur als seriösen Journalisten identifizieren können. Hierzu dient die Presseausweisnummer eines seriösen Ausstellers. Ein weiterer Weg ist, via QMEDIA eingeladen zu werden, was jeder Auftraggeber tun kann. Eine Einladung bewerten wir gleichwertig.

An weiteren Ideen wie wir den Nachwuchs unterstützen können, sind wir immer interessiert!

Abschließend: Lasst uns einfach gemeinsam loslegen und die Medien und die Situation aller Protagonisten wieder verbessern.



Hinweis der Redaktion:

Der DJV führt mehrere Webinare zum Thema QMEDIA durch, auf denen das Projekt vorgestellt und auch Gelegenheit zur kritischen Diskussion und/oder Verbesserungsvorschlägen besteht, Anmeldung unter journalistenwebinar.de

Wer Gedanken oder sogar schon Erfahrungen und/oder Meinungen zu QMEDIA hat, kann sie gerne mit der Redaktion teilen, entweder per Kommentar hier oder per Mail an hir@djv.de



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