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News für Freie

26. Februar 2018
DJV-Freisinn

Online-Schablone für Freie - Merkurist sucht freie Newsmacher

Ehrgeiziges Vorhaben aus dem Herzen Deutschlands

"DJV-Freisinn" ist eine Serie von Beiträgen, in denen in kurzer Form Angebote für freie Journalisten vorgestellt werden. Es geht dabei um Serviceleistungen des DJV und auch Angebote von anderen.

"Nein, wir versprechen Ihnen nicht, dass Sie mit uns zum Millionär werden",  wehrt Manuel Conrad die provokative Frage des Moderators ab. Im DJV-Webinar, das Mitte Februar 2018 bundesweit angeboten wird, informiert der Gründer, Geschäftsführer und Spiritus Rector von Merkurist detailliert zwei Stunden lang über das Projekt "Merkurist Business", ohne übertriebene Erwartungen wecken zu wollen.

Es geht um eine Plattform, mit der digitale Zeitungen und Zeitschriften produziert werden können. Mit ehrgeizigen Zielen: im besten Fall soll es eine Merkurist-Zeitung in jeder größeren Gemeinde geben. Betrieben vor allem von freien Journalisten, entweder aus eigenen Mitteln oder mit "Sponsoring" durch einen Verlag oder sonstigen Geldgeber im Hintergrund.

Die Summen, um die es vielleicht gehen wird, fallen erheblich geringer aus. "Eine Anschubfinanzierung von 32.000 Euro im Jahr kann möglich sein", teilt Conrad mit. Allerdings auch nur in solchen Regionen, in denen ein "Sponsor" oder Herausgeber gefunden wird, etwa ein Verlag oder ein Verein für den Betrieb von Bürgermedien.  Wer den Betrag dann bekommt, wird "Fellow" genannt.

Angesichts solcher Anglizismen drängt sich der Verdacht drängt sich auf, dass es bei Conrads Vorhaben wieder um das "nächste Ding" der New Economy geht, beziehungsweise "Disruption". Zur Disruption gehört auch, dass mit einer Online-Zeitung oder Zeitschrift Geld verdient werden soll. Das ist vielen Verlagen und auch Freien, die es selbst versucht haben, bislang kaum gelungen.

Zum Geldverdienen bei Merkurist gehören definitiv Anzeigen, die zum Teil über Merkurist geschaltet werden, außerdem Werbetexte. Die sollen im Regelfall als "gesponserte Beiträge" angeteasert werden, ähnlich wie die Anzeigen bei Twitter. Im Webinar-Publikum sorgt das bei einigen Zuhörern für Empörung. Sie wünschen die klare Kennzeichnung von Werbetexten als "Anzeige" oder "Werbung", verweisen auf Urteile und die Gefahr von Abmahnung. Kein Problem, meint Conrad, jeder kann solche Begriffe im eigenen Auftritt anders bezeichnen. Aber gleichzeitig macht er sehr deutlich: er will, er muss Geld im Netz verdienen. Und da er im Gegensatz zu seinen Zuhörern den Begriff für klar genug hält, möchte er auch am Begriff des Sponsorings festhalten.

Millionen, Anglizismen, Sponsoring-Diskussionen: es gibt viel zu diskutieren bei Merkurist. Aber alles von Anfang an.

Merkurist-Business bietet freien Journalisten und Medienmachern eine Art Online-Schablone an, mit der sie ihre Beiträge technisch unkompliziert und mit durchaus einzigartig wirkenden Features online stellen können. Ein Redaktionssystem, Content-Management-System (CMS) wie Wordpress oder Typo3 also, nur aus Deutschland? Merkurist kann mehr, so Conrad. Einerseits hat es viele Features, die speziell für den Journalismus geeignet sind, andererseits soll es auch ein Anzeigennetzwerk ermöglichen. Werbung kann sowohl vom Anbieter selbst als auch über die Merkurist-Zentrale kommen, und immer verdient der freie Newsmacher mit.

Redaktionssystem mit vielen einzigartigen Features, von denen hier nur einige genannt werden: etwa die Möglichkeit, mehrere Varianten eines Artikels anzulegen, mit unterschiedlichen Überschriften und Fotos. Die Kombination, die dann die meisten Zugriffe generiert, wird dann in Zukunft bevorzugt angezeigt. Auch praktisch: die Einbindung von freien Mitarbeitern und auch Lesern in eine Online-Zeitung. Artikelthemen können von Lesern vorgeschlagen und bewertet werden, die Redaktion kann sie gegenüber den freien Mitarbeiter ausschreiben und in Auftrag geben. Selbst die Überweisung von Honoraren ist über das System möglich.

Anzeigenwerbung kann auch über die Zentrale kommen, kündigt Conrad an. Allerdings muss er hier Einschränkungen machen: das ist noch Zukunftsmusik für den Zeitpunkt, an dem es deutschlandweit ganz viele Merkurist-Newsseiten gibt. Bis dahin müssen Freie die Anzeigenwerbung für ihre Auftritte selbst akquirieren. Die Unterstützung durch 32.000 Euro ist auch kein Automatismus, sondern davon abhängig, ob sich ein Geldgeber findet, der das Vorhaben finanzieren will.

Während die Features des Redaktionssystems bei den Zuhörern sehr gut ankommen, meldet sich bei einigen dann doch Nachdenklichkeit. Die Sorge: die Bindung der Freien an Merkurist. Was kann, was wird sein, wenn der Anbieter eines Tages das Interesse am Projekt verliert oder es sogar gänzlich einstellen muss? Was wird dann aus dem eventuell gerade gut laufenden Newsprojekt, wenn die technische Grundlage verloren geht? Auch sind die Kosten, die von 50 Euro monatlich bis 800 Euro im Monat reichen können, ein Punkt, an dem mancher Gründer zweifelt.

Andreas Duncker, der in seiner Region das Lokalportal "wickede.ruhr" betreibt, meint daher nachdenklich: "Die Softwarekosten für unser System liegen bei unter 100 Euro im Quartal. Deswegen habe ich beim Merkurist-System meine Zweifel."

In Mainz allerdings, wo Manuel Conrad selbst ein lokales Medium betreibt, scheint das System gut anzukommen. Conrad berichtet von guter Leser-Blatt-Bindung und viel Feedback, inklusive ermutigender Geschäftsdaten.  Und einen Joker hat er auch noch im Ärmel: eine Investorensumme von rund 5 Millionen Euro sorgt dafür, dass erst mal keine Gefahr für einen überraschenden Abbruch des Projekts zu bestehen scheint.

Freie Journalisten können sich bei Merkurist-Business für die Betreuung von Regionen in Deutschland melden, natürlich auch für Themen-Websites. Der DJV berät Mitglieder, die einen solchen Vertrag anstreben, bei Rückfragen, auf neutrale Art und Weise. Eine Geschäftsbeziehung zwischen dem DJV und Merkurist besteht nicht und ist auch nicht geplant.

Die Links zur Aufzeichnung des Webinar können DJV-Mitglieder über das DJV-Intranet abrufen. Merkurist veranstaltet zudem auch eigene Webinare, zu denen sich Interessierte auf der Website der Firma anmelden können.


Michael Hirschler, hir@djv.de

 

 

 


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