Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

News für Freie

Vermarktung

Einige Lehren aus dem Ende von DieRedaktion.de

18.11.2014

"Die Lektion ist auch wichtig, weil die Forderung nach einer entsprechenden Plattform seit Jahrzehnten immer wieder gekommen ist"

Die Artikel- und Auftragsbörse DieRedaktion macht Mitte Dezember 2014 dicht, etwas mehr als drei Jahre nach dem Start. Es lag nicht an fehlendem Engagement. Mit der Deutschen Post war ein Anbieter am Markt, ein Global Player, der alle Mittel zur Kommunikation des Projekts nutzte, der eine technisch gut funktionierende Netzplattform mit vielen praktischen Features eingerichtet hatte und sogar das Factoring anbot. Auch urheberrechtlich war der Service korrekt, konnte doch jeder Anbieter seine eigenen Nutzungsbedingungen und Honorare einrichten. Kritik von Freien kam eigentlich nur wegen Dumpingangeboten, wenn andere Autoren ihre Beiträge zu Billigpreisen anboten oder in der Auftragsbörse Aufträge mit geringen Honoraren ausgeschrieben wurden.

Doch auch wenn der eine oder andere freie Journalist immer wieder einmal einzelne Beiträge verkaufen konnte oder an einen Auftrag kam, am Ende fehlte es am wirklich großen Umsatz.

Bereits beim Start von DieRedaktion.de war die Einschätzung im DJV-Freienblog recht verhalten: „Niemand kann heute einschätzen, ob das Projekt am besonders schwierigen Markt der Publizistik gelingen kann. Werden ausreichend Abnehmer einsteigen, bieten freie Journalisten tatsächlich eigene Beiträge zur Zweitverwertung an?“

Das Scheitern am „Markt“ freier Texte ist freilich nicht neu. In der Zeit um den Start von DieRedaktion.de ging gerade der langjährige Anbieter Newsbörse vom Markt.

Aus dem Ende von DieRedaktion.de kann allerdings einiges gelernt werden. Die Lektion ist auch wichtig, weil die Forderung nach einer entsprechenden Plattform seit Jahrzehnten immer wieder gekommen ist, auch und gerade aus den Reihen der freien Journalisten im DJV.

1.    Texte sind anders als Fotos sehr schwer per Datenbank im Einzelverkauf zu vertreiben.

Gründe dafür:

a)    Redaktionen bekommen ausreichend unbestellte Angebote auf den Tisch, sie müssen nicht in Datenbanken nach Texten suchen bzw. sie haben auch gar keine Zeit dazu.

b)    Redaktionen brauchen bei Texten inhaltlich Alleinstellung, vermeiden also Beiträge, die von vielen schon gesehen worden sein können, auch weil die Gefahr besteht, dass jemand zwar nicht den Artikel gekauft, wohl aber die Idee abgekupfert hat.

c)    Redaktionen bevorzugen die persönliche Absprache mit dem Autoren, damit sie noch Sonderwünsche im Artikel berücksichtigt bekommen, sie haben aber keine Zeit, den Autor eines Datenbank-Artikels deswegen von sich aus zu kontaktieren.

d) Redaktionen, die in anderen Medien bereits gelaufene Beiträge unproblematisch übernehmen, sind relativ rar. Freie müssen sie selbst ausfindig machen und sollten sich nicht darauf verlassen, dass gerade diese Redaktionen in einer Datenbank suchen, auch weil das bereits Gesagte gilt - Redakteure haben heute kaum Zeit für solche Recherchen.

2.    Artikeldienste funktionieren daher nur, wenn sie ständig neues Material bieten und von einer Nachrichtenagentur oder entsprechend agenturmäßig betrieben werden, d.h. über Rahmenvereinbarungen in die Redaktionen kommen.

3.    Der Weiterverkauf von bereits veröffentlichten Beiträgen muss durch persönliche Ansprache von Redaktionen und anderen Kunden erfolgen, oft auch durch Überarbeitung des bereits gelaufenen Beitrags.

4.    Als Alternative zum Weiterverkauf über Artikelbörsen sollten Freie überlegen, Beiträge über Selbstverlagsplattformen und/oder ihre eigene Webseite gleich direkt an Leser zu verkaufen. Dazu sind thematisch ähnliche Beiträge in einem (elektronischen) Buch oder  anderem Medium zusammenzufassen, um dem Leser durch die Bündelung einen Mehrwert gegenüber einem Archivaufruf beim Auftraggeber zu bieten.


Michael Hirschler, hir@djv.de

News für Freie

Presseauskunft

Finanzministerium muss reden

06.07.23

Justitia hat gesprochen: Das Bundesfinanzministerium muss Pressefragen zu den Hintergründen eines Grußworts von Christian Lindner beantworten. Der Ressortchef hat bislang gemauert.

Bildjournalismus

Frist läuft ab - jetzt noch schnell die Honorare für 2022 bei der VG Bild-Kunst melden!

01.06.23

Für die Wahrnehmungsberechtigten der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst tickt die Uhr: nur noch bis zum 30. Juni 2023 können sie ihre Meldungen einreichen. Da dieses mittlerweile auch online möglich ist, gibt es auch keine...

Medieninformationen

Gesetz angemahnt

19.05.23

Der Deutsche Journalisten-Verband fordert die Ampelkoalition auf, das im Koalitionsvertrag versprochene Auskunftsrecht für Medien endlich in das Gesetzgebungsverfahren einzubringen.

Verlag Delius Klasing

Faires Miteinander gefordert

15.05.23

Der Deutsche Journalisten-Verband fordert den Verlag Delius Klasing zu einem fairen Miteinander mit den freien Journalistinnen und Journalisten auf.

KI im Journalismus

DJV fordert klare Regeln

24.04.23

Der Gesamtvorstand des Deutschen Journalisten-Verbands fordert dazu auf, die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Gesellschaft und Journalismus in den Blick zu nehmen.

Katie Melua-Konzerte

Knebelverträge stoppen

21.04.23

Der Deutsche Journalisten-Verband ruft das Management der Künstlerin Katie Melua zu fairen Akkreditierungsbedingungen für Pressefotografinnen und -fotografen auf.

Steuern

Betriebsausgabenpauschale für journalistische Arbeit erhöht

13.04.23

Die Pauschale für den Betriebsausgabenabzug bei journalistischer Arbeit wird erhöht. Diese Regelung betrifft Einkünfte auf selbständiger Basis, das heißt Honorare für freie Arbeit. Die Neuregelung ist im Wesentlichen interessant...

Equal Pay Day

Gleiche Bezahlung für Journalistinnen

06.03.23

Aus Anlass des Equal Pay Day am 7. März fordert der Deutsche Journalisten-Verband gleiche Bezahlung für Männer und Frauen im Journalismus.

Transparenzregister

Reform dringend benötigt

27.02.23

Der Deutsche Journalisten-Verband fordert den Gesetzgeber auf, das Transparenzregister zügig zu reformieren.

Berichterstattung Türkei

Erdogans Schikanen schaden Erdbebenopfern

20.02.23

Der Deutsche Journalisten-Verband ruft die türkischen Behörden auf, Journalistinnen und Journalisten im Erdbebengebiet ungehindert ihre Berichterstattung fortsetzen zu lassen.

Journalistinnen im Iran

Baerbocks Einsatz gefordert

17.02.23

Der Deutsche Journalisten-Verband gehört zu den Unterzeichnern eines Offenen Briefs an Annalena Baerbock, der den Einsatz der Bundesaußenministerin für die inhaftierten Journalistinnen im Iran fordert.

dpa-Fotografen

Faire Honorare gefordert

13.02.23

Der Deutsche Journalisten-Verband unterstützt Aktivitäten von freien Fotografinnen und Fotografen der Deutschen Presse-Agentur, mit denen sie für höhere Honorare bei der dpa kämpfen.

News 13 bis 24 von 858

Schon gewusst?Schadensersatz für Fehler bei der Berichterstattung? Schwere Verletzung im Krisengebiet? Berufsunfähigkeit? Altersvorsorge? Der DJV-Versicherungsmakler bietet Spezialangebote für Journalisten.

Schon gewusst?Schadensersatz für Fehler bei der Berichterstattung? Schwere Verletzung im Krisengebiet? Berufsunfähigkeit? Altersvorsorge? Der DJV-Versicherungsmakler bietet Spezialangebote für Journalisten.

Weitere interessante Themen

Newsletter

Cookie Einstellungen