Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

News für Freie

Umfragen & Zahlen

Wo es verlässliche Honorardaten für freie Journalisten gibt

27.03.2013

Eine von diversen Netzdiensten propagierte Sammelaktion hinsichtlich Honorare freier Journalisten darf durchaus für Verwunderung sorgen. Manche halten sie sogar für kontraproduktiv.


Zunächst einmal scheint erstaunlicherweise (und das unter Journalisten) unbekannt zu sein, dass es bereits seit Jahren, wenn nicht seit über einem Jahrzehnt und länger ausführliche Honorarlisten gibt, so etwa schlappe "2.500" Honorarsätze unter journalismus.com  und zudem seit einiger Zeit auch bei mediafon.net. Es ist schon recht merkwürdig, dass solche Listen nicht bekannt sind und deswegen eine eher behelfsmäßig wirkende neue Aktion lanciert wird.

Die Auflistung solcher Honorardaten ist dabei allerdings oft genug nicht immer sehr aussagekräftig, weil oft Angaben zu den vereinbarten Nutzungsbedingungen der Beiträge fehlen. Darüber hinaus sorgen die Sammelaktionen oft genug für selektiv negative Daten: Oft genug melden sich vor allem diejenigen, die besonders schlecht verdienen. Ihre fromme Hoffnung lautet dabei: Je krasser die genannten Zahlen sind, desto mehr Betroffenheit wird erzeugt (eine Hoffnung, die leider trügt). Wer dagegen gut honoriert wird, nennt seine Honorardaten eher nicht, weil er die gut zahlende Redaktion nicht düpieren will - denn diese würde durchaus mal mit Rückfragen von oben rechnen dürfen, wenn sie nach oben aus der Reihe tanzt.

Die Auflistung von Einzelhonoraren wird aus diesem Grund vom Fachgremium der freien Journalisten im DJV seit Jahren abgelehnt: Die Auflistung der niedrigen Honorarhöhen setzt die Redaktionen, die (noch) gut zahlen, massiv unter Druck. Controller und Mitglieder von Geschäftsführungen drucken solche Listen aus und beginnen Diskussionen, warum man denn über diesem Niveau liege.

Aus diesem Grund sammelt der DJV regelmäßig in anonymen, externen und internen Umfragen viele Honorardaten, die in allgemeine Übersichten einfließen, mit denen die Honorarspannen abgebildet werden sollen. Seit 13 Jahren wird dazu die jährliche Übersicht "Vertragsbedingungen und Honorare" veröffentlicht, in denen zahlreiche Preisübersichten und Honorarmodelle dargestellt werden, Mustervertragsbedingungen, Tarifverträge, Vergütungsregeln, die im Übrigen im Anhang zahlreiche weitere Adressen für Quellen im In- und Ausland auflisten. Weiterhin gilt als allgemeine Honorarliste für den Bereich Bildhonorare die Übersicht der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM), sowohl mit Vertragsbedingungen als auch Honorardaten.

Weiterhin Honorarmeldungen können seit Jahr und Tag unter http://frei.djv-online.de/?s=Honorarmeldung (Umzug auf djv.de geplant) eingereicht werden

Die vom BDZV unabhängige verleger-orientierte "Forschungsstelle Vergütung" hat übrigens auch - für die neuen Bundesländer - eine Übersicht der ihrer Ansicht nach maßgeblichen Durchschnittspreise erstellt, wohlgemerkt mit der Absicht, die (höheren) Sätze der Vergütungsregeln in Frage  zu stellen. Für die Arbeit dieser "Forschungsstelle" ist die aktuelle Honorarsammel-Aktion natürlich durchaus sehr hilfreich - jeder Beweis, dass Honorare im Keller sind (nach Ansicht der Forschungsstelle wohl: auch dahin gehören), ist dort willkommen.

Die Sorge unter vielen Freien ist groß, dass die gut gemeinte "Aktion" das bereits sehr negative Bild der Situation der Freien weiter verschlechtern wird und Auftraggeber diese "Standardpreise" als neues Leitbild nehmen. Um eine Aktion für ein besseres Image der Freien handelt es sich jedenfalls nicht. Und dabei wird kolportiert, die Initiatoren der Aktion hätten vor Jahren einmal zum Ziel gehabt, eine Verbesserung dieses Images zu erreichen...

Wie dem auch sei: Natürlich wird auch innerhalb des DJV weiter darüber diskutiert werden, ob denn das einfache Rauspusten von Honorarwerten von irgendwelchem Nutzen sein kann. Wer allerdings glaubt, dadurch Betroffenheit und damit Änderungen bewirken zu können, der sollte schon jetzt wissen, dass die "große Öffentlichkeit" ein recht gleichgültiges Wesen ist. In Italien nimmt beispielsweise nimmt die "Öffentlichhkeit" schon seit Jahren hin, dass Freie monatlich weniger als 500 Euro verdienen, wie eine Tagung der Europäischen Journalisten-Föderation im Jahr 2012 zeigte.

Die gleiche "Öffentlichkeit" erträgt bekanntlich auch schon seit mehreren Jahren, dass die Verlagswelt vollkommen unverfroren rechtsgültig vereinbarte Vergütungsregeln ignoriert, die mitunter ein Mehrfaches der jetzt in der aktuellen Aktion, aber auch in den bereits vorhandenen Honorartabellen genannten Honorare ausmachen. Änderungen für Freie sind wohl nur anders zu erreichen. Betroffenheitsaktionen riskieren dagegen, durchaus kontraproduktiv zu wirken.

 

Michael Hirschler, hir@djv.de




(Anmerkung: Die erste Version des Beitrags ist durch einen technischen Fehler im CMS untergegangen, so dass Verlinkungen hierauf nicht mehr gültig sind und wohl auch Kommentare fehlen)

News für Freie

dpa

Warnung an Freie vor Knebelvertrag

31.03.21

Der Deutsche Journalisten-Verband warnt Bildjournalistinnen und -journalisten vor der Unterzeichnung eines neuen Vertrags bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Deutsche Welle

Freienvertretung wenig wirksam, dennoch wählen gehen!

26.03.21

Der DJV hält die Vertretung von Freien durch Personalräte für dringend notwendig und fordert aktuell von der Bundesregierung, das Personalvertretungsgesetz entsprechend zu ändern, so dass beispielsweise auch an der Deutschen...

Medien

Lauf für Pressefreiheit startet diesen Sonntag

19.03.21

Jetzt geht es los: Vom 21. März bis zum 1. Mai laufen DJV-Mitglieder in Fünferteams 1.715 Kilometer auf der virtuellen Strecke Berlin-Paris-Brüssel-Luxemburg, um auf aktuelle Probleme der Pressefreiheit aufmerksam zu machen. Die...

Coronakrise

Neues zur Neustarthilfe und Gutes für Bayern

19.03.21

Die Neustarthilfe für Freie, die als Solo-Selbstständige und/oder unständig Beschäftigte tätig sind, wird auch an Freie im Journalismus geleistet. Darauf hat der DJV in letzter Zeit bereits mehrfach hingewiesen. Grundsätzlich...

Thementag Freie

Lebhafte Diskussionen über Zukunft der Freien

18.03.21

Am 15. März 2021 diskutierten DJV-Mitglieder über die Zukunft der Freien. In drei Arbeitsgruppen und anschließend im Plenum diskutierten sie Aktionsvorschläge, die ursprünglich dem DJV-Verbandstag 2020 vorgelegen hatten, der...

Gemeinsame Vergütungsregeln

Volltreffer

16.03.21

Eine freie Journalistin wurde um 66.000 Euro reicher. Diese Summe sprach ihr das OLG Nürnberg als Honorarnachzahlung zu. Ihre Zeitung wollte sie mit 14 Cent pro Zeile abspeisen.

Freie

Aufbruch!

15.03.21

Keiner Gruppe im Journalismus hat die Corona-Pandemie so zugesetzt wie den Freien. Wie geht es jetzt weiter? Antworten werden heute beim DJV-Thementag Freie gesucht.

Kulturhilfen

Freie Journalisten nicht vergessen

05.03.21

Der Deutsche Journalisten-Verband fordert Kulturstaatsministerin Monika Grütters auf, bei den geplanten Hilfen des Bundes für Kulturschaffende auch freie Journalistinnen und Journalisten zu berücksichtigen.

Funke-Mediengruppe

Lorbeeren verspielt

23.02.21

Nach dem Hackerangriff auf die Funke-Mediengruppe warten viele Freie immer noch auf ihre Honorare. Geld? Fehlanzeige. Interne Kommunikation? Totalausfall. Ein Trauerspiel.

Bildhonorare

Verlässliche Konstante in Krisenzeiten: mfm-BILDHONORARE 2021 erschienen!

22.02.21

Die jährlich von der mfm ermittelten marktüblichen Honorare für Fotonutzungen in Deutschland werden in der Publikation „mfm-BILDHONORARE“ veröffentlicht. Die Ausgabe 2021 ist ab sofort in der gedruckten Version und auch im...

Umfrage

Soziale Lage in der Film- und Fernsehbranche wird untersucht

19.02.21

Eine aktuelle Branchenumfrage soll die Arbeitsbedingungen und soziale Lage der Berufstätigen in der Film- und Fernsehbranche erforschen. Die Umfrage ist vom Senat von Berlin beauftragt worden. Die Ergebnisse sollen einem...

Corona-Krise

Neustarthilfe kann jetzt beantragt werden

16.02.21

Die Neustarthilfe des Bundes ist für Solo-Selbstständige jetzt abrufbar. Freie, die in Personengesellschaften (z.B. GbR, Partnerschaften) oder Kapitalgesellschaften (z.B. UG, GmbH) arbeiten, müssen sich dagegen noch...

News 13 bis 24 von 798

Schon gewusst?Rund 60 Prozent aller Freien arbeiten aus Überzeugung hauptberuflich frei, 40 Prozent sind als Freie tätig, weil sie keine Anstellung finden (Quelle: DJV-Umfrage 2014).

Auch bei der EU in Brüssel sind viele Freie unterwegs - nicht immer freiwillig frei. Foto: Hirschler

Schon gewusst?Rund 60 Prozent aller Freien arbeiten aus Überzeugung hauptberuflich frei, 40 Prozent sind als Freie tätig, weil sie keine Anstellung finden (Quelle: DJV-Umfrage 2014).

Weitere interessante Themen

Newsletter

Cookie Einstellungen

Statistik-Cookies dienen der Analyse und helfen uns dabei zu verstehen, wie Besucher mit unserer Website interagieren, indem Informationen anonymisiert gesammelt werden. Auf Basis dieser Informationen können wir unsere Website für Sie weiter verbessern und optimieren.

Anbieter:

etracker GmbH

Datenschutz