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DJV Blog

04. März 2015
Ausbildungskonferenz der Initiative Qualität

DJV diskutiert über Standards in der Ausbildung

Rund 90 Journalistinnen und Journalisten, Ausbilder, Wissenschaftler und Medienunternehmer haben an der Ausbildungskonferenz am 3. März in Bonn teilgenommen und ein positives Resümee gezogen.

Fotos: Thilo Schmülgen

IQ-Sprecherin Ulrike Kaiser (DJV), die als Moderatorin durch die Tagung führte, wies nach der Begrüßung durch Johannes Hoffmann, dem Leiter der DW-Intendanz, in ihrer Einführung darauf hin, dass die Gespräche gerade erst angefangen hätten.

 

In der Diskussion mit Hans-Joachim Fuhrmann (BDZV) und Ulrich Janßen (dju) betonte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken, dass sich der DJV sehr um eine Verbesserung der Ausbildung bemüht. In dem Zusammenhang verwies er unter anderem auf das DJV-Memorandum "Journalistische Aus- und Weiterbildung. Wege aus der Krise" von 2012. Mit der Hochschulausbildung stehe nicht alles zum besten, war er sich mit Ulrike Kaiser einig. Häufig werde heute "Journalismus und..." angeboten. Es gebe sehr viele Mischstudiengänge, eine Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten sei. Zudem gebe es das Problem, dass heute noch deutlich mehr Journalistik-Studierende später in die PR abwanderten. Bei einem Studiengang seien das bereits zwei Drittel, habe er erst gehört. Die entscheidende Frage sei, wie man die Besten künftig gewinnen und binden kann. Es gebe noch viel zu tun.

 

Um herauszufinden, wie es aktuell um Zeitungsvolontariate bestellt ist, hatten Prof. Dr. Beatrice Dernbach (Technische Hochschule Nürnberg) und Prof. Dr. Klaus Meier (Kath. Universität Eichstätt) von der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) eine Umfrage unter Ausbildungsredakteuren zur Ausbildung in Zeitungsredaktionen erstellt. Die Ergebnisse präsentierten sie exklusiv bei der IQ-Ausbildungskonferenz. "Mehr, multimedialer, schneller", fassten sie die Ergebnisse zusammen. Die Online-Befragung lief vom 20. Januar bis 15. Februar. 62 vollständig ausgefüllte Bögen sowie 55 weitere teilweise ausgefüllte hatten sie erreicht. Es ging um eine Bestandsaufnahme mit Bezug zum Ausbildungstarifvertrag, Kompetenzen und Vorbildung der Bewerber sowie die Frage, was diese jungen Journalisten heute lernen müssen. Letztere Frage beantwortete jeder Ausbildungsredakteur unterschiedlich. Wichtig sind heute jedenfalls Innovationsfähigkeit, Sachkompetenz, Ressort-, Spezial-, Orientierungs- und Qualitätswissen sowie Technik- und Gestaltungskompetenz. Nicht zuletzt sei natürlich auch Zeitmanagement entscheidend. Die Umfrage legte offen, dass die Anforderungen an Volontäre in den vergangenen Jahren gestiegen sind, während die Qualität der Bewerber abgenommen hat. Das Volontariat bei Zeitungen hat offenbar in der derzeitigen Form an Attraktivität verloren. 

 

Dernbach und Meier bedankten sich für die vielen Anregungen aus dem Publikum, die mit in eine größere mögliche Studie fließen könnten. Die Umfrage zeige, dass das Volo in der derzeitigen Form an Attraktivität verloren habe. Daran müsse man arbeiten. Die Initiative Qualität wird die Ergebnisse der Umfrage nutzen.

 

An den Markständen beim Ausbildungsmarktplatz hatten Medienunternehmen mit innovativen Ideen schließlich die Gelegenheit, diese zu präsentieren. Die KonferenzteilnehmerInnen hatten beim Rundgang und Gesprächen Gelegenheit, alle präsentierten neueren Modelle kennenzulernen und mit den verantwortlichen ProjektleiterInnen zu diskutieren. Vor Ort waren als Beispiele für integrierte Volontariate die Fachhochschule Kiel und die Technische Universität Dortmund, als Beispiele für Forschungs- und (Weiter)Bildungsmodelle FJUM Wien und Kath. Universität Eichstätt sowie Universität Mainz. Am Stand der Schulen und Akademien waren die Leipzig School of Media, die HTWK Leipzig und die Deutsche Journalistenschule vertreten. Als Bepiele für Volontariate dienten die Rheinische Post und die Deutsche Welle. Einige andere Päsentationen waren aufgrund von Erkrankungen ausgefallen.

 

Junge Journalistinnen und Journalisten gaben hinterher auf der Bühne ihre Einschätzung zu Frage ab: (Wie) Für uns geschaffen? David Gillengerten (Chef vom Dienst, campusweb.de), Gregor Landwehr (WDR Volontär), Helene Pawlitzki (Hochschulbeauftragte DJV NRW) und Miriam Scharlibbe (Jungredakteurin Neue Westfälische) hatten sich jeweils intensiv mit den Präsentationen an einem Stand auseinandergesetzt.

 

Medienunternehmen müssen testen, wie es mit der Leidenschaft, Innovationsfreude und Risikobereitschaft der Bewerber steht, forderte Personalberater Dr. Bernhard Rosenberger schließlich in seinem Vortrag zum Ende der Tagung. "Warum machen wir es nicht einfach?" fragte er und betonte, dass Medienunternehmen gegen die Wand fahren würden, wenn sie sich nicht von innen veränderten. Das große Thema sei der Umgang mit Generation Y, der nach 1980 Geborenen, die man aber natürlich nicht nur durch die Generationsbrille anschauen dürfe, sondern als Individuen. Zudem seien drei Bereiche bisher noch nicht voll ausgeschöpft: der der Älteren, der Frauen und der ausländischen Fachkräfte.

 

Eva Werner

 

Dieser Text ist eine am 5. März aktualisierte Fassung des Beitrags vom 4. März



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