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U30: Journalismus für junge Zielgruppen

19.09.2019

TikTok, Instagramm und Co.: "Was hat das mit Journalismus zu tun?"

Kathrin-Anna Firle ist öffentlich-rechtliche Redakteurin bei FUNK – sie arbeitet also nicht für einen Sender. Als Florian Hager, der Funk-Chef, das öffentlich-rechtliche Jugendangebot startet, wehrte er sich energisch dagegen, dass FUNK auch einen TV-Sender zugeschlagen bekommen sollte. Nicht nur, weil die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen kaum noch fernsieht, sondern weil FUNK nicht von Anfang an rund um die Zweitverwertung einer (TV-)Marke aufgebaut werden sollte. Die vielen Funk-Formate haben alle ihre eigenen Zielgruppen; sie ordnen sich keiner Markenwelt unter. Das Spektrum ist weit; FUNK sucht seine Nutzerinnen und Nutzer auf Drittplattformen wie Facebook und Youtube. Und ist inzwischen sehr erfolgreich damit.Auch Vassili Golod stammt aus dem öffentlich-rechtlichen Universum und sucht eigene Wege zu jüngeren Nutzern. Gemeinsam mit Jan Kawelke hat er aus dem Volontariat beim WDR heraus einen Podcast gegründet, der sich mit Politik und Rap beschäftigt. Rap, sagt er, sei immer schon eine extrem politische Kunst - und "Machiavelli", der Titel des Podcasts, verweist gleich doppelt darauf, zum einen über den Verweis auf den spätmittelalterlichen Machttheoretiker Niccolo Machiavelli, zum anderen darüber, dass der Rapper Tupac Shakur (aka 2Pac) auch unter dem Aliasnahmen "Makaveli" arbeitete. Er vermisst nicht nur bei öffentlich-rechtlichen Medien die Bereitschaft, von den Nutzern her zu denken - und sich für die unter 30-Jährigen neu zu erfinden.Ein Angebot, das bei den 13- bis 17-Jährigen enorm erfolgreich ist, ist die App TikTok, mit der man Kurz-Karaoke-Videos und andere Filme aufnehmen und schauen kann. Was findet man bei TikTok? "Das echte Leben", sagt Karsten Schmehl, ehemals öffentlich-rechtlicher Volontär, später bei Buzzfeed und jetzt Content Strategist bei der Plattform des chinesischen Anbieters Bytedance. Er erklärte, dass das Erfolgsgeheimnis auch im selbstlernenden Algorithmus liegt, der den Nutzern individuell ein Programm zusammenstellt - und verweist darauf, dass die Plattform noch sehr zu Experimenten einlädt. Was das aber mit Journalismus zu tun hat? Die Frage wurde aus dem Publikum mit Verve gestellt. Schmehl entgegnete, kein auf Zukunft gebautes Unternehmen könne es sich leisten, die bei TikTok vertretenen Nutzer zu ignorieren; hier finde man ihre Vorlieben und Sehgewohnheiten. Und Kathrin Firle, danach gefragt, wie FUNK sich immer wieder verjüngen will, ergänzte mit einen Tipp: Such dir eine/n beliebige/n 17-Jährigen, schau, wem diese Person bei Instagram folgt - und mach es ihr/ihm nach.

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